Pflanzentröge bei der Post

Eigeninitiative gegen Behördenignoranz in Fällanden

von Vreni und Emil Haldi, Edith Bornatico, Fällanden

Wir haben im Januar dieses Jahres mit einer Eingabe an den Gemeinderat gefordert, dass die Pflanzentröge mit einer Auswahl von Pflanzen bestückt werden, die für diverse Insekten nützlich sind. Letztes Jahr war eine Monokultur von Begonien, wie man sie auf den Gräbern sieht, der einzige Schmuck als billigste Idee. Wie ist es möglich in einer Zeit, in der es nötig ist, für die Insekten gezielt auf Bio-Diversität bei den Pflanzen zu achten, diese Dringlichkeit zu ignorieren? 

Unser Aufruf an den Gemeinderat gerichtet, wurde nicht beantwortet!

Vor zwei Wochen erkundigten wir uns bei dem zuständigen Ressort der Gemeinde, was für eine saisonale Bepflanzung vorgesehen sei. Wir erhielten die Antwort, dass das Budget gekürzt worden und kein Geld vorhanden sei. Unsere Reaktion war die Idee zur Eigeninitiative.

Wir schlugen vor, die Pflanzentröge bei der Post in eigener Regie und auf eigene Kosten zu schmücken. Wir bekamen vom zuständigen Gemeinderat das OK. In den letzten Wochen entstand zu unserer Freude ein kleiner Botanischer Garten. Viele Passantinnen und Passanten jeden Alters schenkten dem Entstehen ihre Aufmerksamkeit. Einzelne gaben sogar eine finanzielle Unterstützung.

Ein kleiner botanischer Garten durch die Initianten angelegt.
Bepflanzung durch Initianten

An einem Freitag, nach unserer letzten Pflanz-Etappe entdeckten wir, dass die verbleibenden Pflanzengefässe im kleinen Park beim Gemeindehaus ohne Diskussion wieder mit Begonien bepflanzt worden sind. Die reichlich ausgestreuten Schneckenkörner bilden einen bunten Farbakzent.

Die neue Bepflanzung durch die Gemeinde mit Begonien. Dazwischen viele Schneckenkörner.
Bepflanzung durch Gemeinde

Auf unsere Freude über unser Werk folgte der Zorn auf die Ignoranz der Gemeindebehörde. So geht man nicht um mit Ideen und Anregungen von Einwohnern! Wie soll man in Zukunft motiviert werden, für weitere dringende Projekte Ideen einzubringen, wenn bei weniger komplizierten Angelegenheiten kein Echo da ist?

Unser Aufruf lautet: Gehen wir mit offenen Augen durchs Dorf, nehmen wir aktiv am Geschehen teil, und reden wir an der Gemeindeversammlung mit. Nur so schaffen wir die Realisierung unserer Ideen.

2 Antworten auf „Pflanzentröge bei der Post“

  1. Herzlichen Dank zu dieser Eigeninitiative mit Signalwirkung in jeder Hinsicht!
    Am 11. Juni 2019 wurde auf Antrag im Gemeinderat Fällanden per 1. Juli 2019 neu eine «Naturschutzkommission» gebildet (in Aufhebung und Integration der vorbestandenen «Vernetzungskommission» (Auszug aus dem Protokoll des Gemeinderates Fällanden vom 11. Juni 2019).
    Es ist daher schwer nachvollziehbar, dass die inhaltlich doch bescheidene Eingabe der Initianten vom Januar 2020 zwar präsidial mit einer knappen Empfangsbestätigung quittiert, aber über die weitere Resort-, Behörden- oder Kommissionszuständigkeit mit Angabe einer Ansprechperson nicht innert angemessener Frist informiert und verwiesen worden ist. In die neu gegründete Naturschutzkommission hat die Eingabe den Weg anscheinend noch nicht gefunden.

    Mit Hinweis auf die vom SRF lancierte Mitmachaktion «Mission B» (https://missionb.ch) vom Mai 2019 mit Dauer bis und mit Auswertung davon im September 2020, sei an dieser Stelle auf das Naturnetz Pfannenstil mit seiner hervorragend organisierten und inhaltlich vorbildlichen Homepage verwiesen:
    https://www.naturnetz-pfannenstil.ch/ueber-uns/partner

    Das Naturnetz Pfannenstil mit 12 Verbunds-Gemeinden (u.a. Egg) versteht sich nicht nur als Netz von ökologisch wertvollen Gebieten, sondern arbeitet auch eng mit der Fachstelle Naturschutz des Kantons Zürich zusammen. Ebenso wichtig sind die Zusammenarbeit und die Vernetzung von verschiedensten Personen und Organisationen. 1998 von der Zürcher Planungsgruppe Pfannenstil (ZPP) als Fachkommission-NNP gegründet, um die Ziele des Naturschutz-Gesamtkonzepts des Kantons Zürich und die ökologische Vernetzung laut regionalem Richtplan umzusetzen, ist die ZPP heute auch Trägerin des Naturnetzes Pfannenstil. (https://www.naturnetz-pfannenstil.ch/images/ueberuns/Organigramm.pdf)

    Das Naturnetz Pfannenstil mit 12 Politischen Gemeinden verfügt über ein jährliches Budget von rund CHF 750’000. Die ZPP als Trägerin übernimmt dabei die Basisfinanzierung (z.B. Projektadministration), während die anderen Geldgeber hauptsächlich in konkrete Teilprojekte finanzieren:
    70’000 Zürcher Planungsgruppe Pfannenstil (ZPP)
    200’000 Gemeinden (verteilt auf 12 Verbunds-Gemeinden)!
    200’000 Kanton
    250’000 Stiftungen
    20’000 Naturschutzorganisationen
    10’000 LQ Beiträge

    Vergleichbar dazu ist die Gemeinde Fällanden, als eine von insgesamt 14 Politischen Gemeinden, Teil der Zürcher Planungsgruppe Glattal (ZPG).

    Das Engagement für den Naturschutz mit u.a. dem Erhalt der Artenvielfalt ist auch in Fällanden notwendig. Bei der Organisation und Finanzierung dazu wäre es jedoch dringend angebracht, dass die Gemeinde Fällanden sich insbesondere bei der Vergabe von Krediten innerhalb der Möglichkeiten der übergeordneten Zürcher Planungsgruppe Glattal (ZPG) informiert und bewegt – einen Alleingang kann sich Fällanden nicht leisten. Es bleibt deshalb für Fällanden zu hoffen, dass die ZPG hinsichtlich Geldgeber und Partner-Vereinen (zum Teil auch Geldgeber) und in der Zusammenarbeit mit dem Kanton ebenso gut organisiert und finanziell aufgestellt ist wie die Zürcher Planungsgruppe Pfannenstil mit seinem Naturnetz!

    Dass Projekte zum Naturschutz und das Bewusstsein dazu auf Gemeindeebene aber auch unbürokratisch initiiert und insbesondere kostengünstig umgesetzt werden könnten – es muss nicht immer teuer sein, zeigt das Resultat der Eigeninitiative von Haldi & Bornatico. (siehe auch Beitrag auf Inside «Fernsehtipp – Hinweis zur DOK-Sendung»)

    1. Dieser wichtige Beitrag freut uns sehr. Er gibt Mut für weiteres Handeln zur dringend nötigen Unterstützung der Artenerhaltung von Flora und Fauna im immer dichter überbauten Siedlungsraum. Die sorgfältig recherchierten Informationen über bestehende Organisationen wie zum Beispiel das Naturnetz Pfannenstil und andere nützliche Hinweise auf Möglichkeiten zur Finanzierung sind ausführlich präsentiert. Vielen Dank für die intensiven Recherchen. Es wäre zu begrüssen, wenn die zuständigen Behörden der Gemeinde durch Kontakte mit Pioniergemeinden Erfahrungen erkunden und austauschen würden. Die Bevölkerung muss über vorgesehene Projekte informiert und ins
      Geschehen miteinbezogen werden. So kann das Gefühl der Mitverantwortung gefördert werden.

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