Benglen: Sieg der Vernunft über die Politik

von Siegfried Hettegger, Feusisberg
Betroffener Stockwerkseigentümer in Benglen

Eine Gasheizung ist effizient, wirtschaftlich, versorgungssicher und umweltfreundlich (aktuelle Werbeaussagen von energie360°). In Fällanden ist dem Gas zudem mindestens 20% „Biogas“ beigemischt, das als CO2-neutral gilt. Dazu kommt, dass moderne Gaskessel eine höhere Effizienz aufweisen und dadurch den Verbrauch reduzieren.

Bei den Göhnerbauten in Benglen steht altersbedingt die Erneuerung der bestehenden zwei Gasheizzentralen an. energie360° empfahl den Eigentümern den Bau eines neuen Holzschnitzel­heizkraftwerkes. Weil aber für den Standort keine Lösung absehbar war, drohte diese Variante frühzeitig zu scheitern. In dieser Situation intervenierte der Gemeinderat Fällanden und verbreitete in einer Medienmitteilung, dass er die Holzschnitzelheizung befürworte, politisch unterstütze und fördere. Bei der Holzschnitzelheizung lägen die Kosten um einiges tiefer als bei einer Erneuerung der Gasheizung.

Mittlerweile war die Planung fortgeschritten und die Eigentümer konnten sich ausrechnen, dass das Angebot von energie360° mit der Holzschnitzelvariante um bis zu 25% teurer kommt als eine neue Gasheizung, und dass auch bei einer massiv steigenden CO2-Abgabe die Holzschnitzellösung immer noch um 10% teurer ist als die Gaslösung. Der Gemeinderat hatte also mit falschen Zahlen Stimmung gemacht. Die hohen Investitionskosten für ein neues Heizkraftwerk rechnen sich nur bei einem erweiterten Abnehmerkreis.

Allein, es blieb nicht bei dieser politischen Intervention. Nun griff die Gemeinde direkt in den Beschaffungsprozess ein. Es tritt auf: Herr Thomas Bürki, Mitglied des Gemeinderates von Fällanden und Vorsteher Ressort Tiefbau und Werke. Bürki ist auch Inhaber und Geschäftsführer der Thomas Bürki GmbH (Energie, Ökologie, Politikberatung) und Mitinhaber der Fa. Ecotawa AG (Finanzierung von Industrie- und Energieprojekten durch CO2-Abgaben und Emissionsrechten). Bürki nahm nun das Heft in die Hand und organisierte aus eigener Initiative eine Telefonkonferenz mit den Eigentümervertretern, um Werbung für die Hackschnitzellösung zu machen und das Projekt doch noch zu retten.

Und siehe, welch ein Wunder: energie360° zaubert in der Folge einen Lösungsvorschlag aus dem Hut mit einem Standort im Wohngebiet, der bereits früher von den Eigentümervertretern abgelehnt worden war. Dieser Standort wurde nunmehr als «technisch, logistisch und wirtschaftlich optimal» bezeichnet. Dem Standort wären Grünanlagen und ein beliebter Spielplatz und Treffpunkt für Jung und Alt zum Opfer gefallen, auch hätte ein über 20 Meter hoher Abgaskamin errichtet werden müssen. Die Gemeinde trat sogar mit dem Ansinnen an die Eigentümervertreter heran, für die Holzschnitzelvariante von energie360° Werbung bei allen ca. 600 Eigentümern zu machen.

Doch die Eigentümervertreter liessen sich nicht blenden. Ein neues Holzschnitzelheizkraftwerk wäre nicht wirtschaftlich, ein Standort im Wohngebiet würde die Wohnqualität beeinträchtigen und die benachbarten Liegenschaften entwerten. Die Holzschnitzelvariante fiel daher wuchtig durch und der Gemeinde wurde empfohlen, doch selbst ausserhalb des Wohngebietes für die Schulanlage Buchwis und einen weiteren, grösseren Teilnehmerkreis eine Fernwärmelösung zu realisieren, an die man sich zu einem späteren Zeitpunkt anschliessen würde, kompetitive Preise vorausgesetzt.

Bleibt die Frage: Wie kommt die Gemeinde dazu, sich direkt in den Beschaffungsprozess privater und der Wirtschaftlichkeit verpflichteter Eigentümervertreter einzumischen? Viele Eigentümer haben ihre Wohnung ein Leben lang mit hart erarbeitetem Geld abbezahlt oder nutzen sie als Absicherung der Pension. Der Gemeinderat will sein – masslos überrissenes – politisches Ziel, zu 100% auf fossile Brennstoffe zu verzichten, auf Kosten der Eigentümer durchsetzen. Dafür hat er keinen Auftrag und keine Kompetenz. Vielleicht lernt der Gemeinderat aus der klaren Abfuhr, dass die Bürger nicht bereit sind, gewissen Gemeindepolitikern ein politisches Vorzeigeprojekt zu finanzieren, das zu Lasten der Eigentümer, Lebensqualität und Umwelt geht.