Jetzt wird sie also wieder weiss, die Bauwand an der Dübendorfstrasse.
Kaum erschien ein Beitrag über das Wandgemälde in der Kehrstrasse auf „Inside Fällanden“, schon ist jemand wachgeworden.
Dass es jetzt die Jugendlichen in Fällanden betrifft ist bedauerlich und wohl auch nicht Ziel des Artikels gewesen, aber es ist (wenn auch mit einem Jahr Verspätung) konsequent. Der Deal zwischen Gemeinde und dem Verein Jugendarbeit Fällanden (VJAF) beinhaltet die Bauwand, die einseitig gestaltet werden darf und strassenseitig weiss bleiben soll. Geld von den Steuerzahlern gab es auch. Verträge sind einzuhalten.
Der Beitrag «Er geht wieder um» bietet einen Angriffspunkt. Indem er Graffiti und Wandmalereien vermischt öffnet er Möglichkeiten alles in einen Topf zu werfen. Dies könnte die Gemeindeverantwortlichen auf die Idee bringen, jetzt einfach alle „Malereien“ zu tilgen. Aber was sind „Malereien“?
Fassadenmalereien haben in der Schweiz eine lange Tradition. Viele erfreuen die Menschen, nicht wenige sind unter Schutz und nur wenige sind provokativ.
Bei Graffiti sieht die Sachlage anders aus, aber spätestens seit den Werken des Zürcher Sprayers Harald Naegeli oder des Britischen Streetart Künstlers Banksy ist die Unterscheidung zwischen Sachbeschädigung, «Schmiererei» und Kunst nicht mehr trivial. Der Wolfskopf am Leitungskasten gegenüber der Schule Fällanden mag ein Beispiel dafür sein.
Aber eigentlich geht es ja um das besagte Wandgemälde an der Kehrstrasse. Wenn ich es richtig verstanden habe, scheint sich keiner der näheren Nachbarn beschwert zu haben, und das einzige Vergehen des Auftraggebers ist die unterlassene Beantragung einer Baugenehmigung.
Bevor der Gemeinderat nun noch eine Expertise über den künstlerischen Wert des Gemäldes in Auftrag gibt (wozu er wahrscheinlich einen 9. Gemeinderat benötigt), sollte er vielleicht einfach ein Auge zudrücken, die Genehmigung gegen die normale Gebühr erteilen und – Verträge und Regeln sind einzuhalten – das Ganze mit einer angemessenen(!) Busse sanktionieren.
Die Gemeindekasse würde es danken, das Dossier kann geschlossen werden und der Germeinderat sich wieder wichtigeren Dingen zuwenden.


Die NZZaS (nebst anderen) schreibt, dass sich 925 Personen laut der Schaffhauser Kantonspolizei am Samstag zu einer unbewilligten Kundgebung in Schaffhausen versammelt haben… Mehrheitlich wurden keine Masken getragen. Die Polizei schreibt: „Die Stimmung ist friedlich. Auch wir bleiben ruhig. Gegen Unvernunft gibt es keine Mittel.“
Auch die Wandmalerei an der Kehrstrasse ist friedlich und stört nur den Gemeinderat, sonst keinen einzigen Menschen (auch nicht die mittlerweile gelöschten Kamele gegenüber).
Wir lernen: dort fast tausend Leute, die potenziell tödliche Covid-19-Ansteckungen provozieren, illegal, unsolidarisch, gefährlich, ungestraft, hier eine ganz und gar risikofreie, von allen Passanten als sehenswert beurteilte Wandmalerei, die der behördlichen Willkür von entgleisten Dorfgrössen zum Opfer fällt.
Wir haben es wahrlich weit gebracht hierzulande. „Gegen Unvernunft gibt es keine Mittel“ stellt man flugs fest, wenn der Staat ausgehebelt wird und alles ist wieder gut. Im Falle unseres Wandbildes kann der Auftraggeber nicht als Masse auftreten und kommt daher die ganze Härte des Gesetzes zu spüren. „Gegen Unvernunft des Gemeinderates gibt es keine Mittel“? Man darf noch immer optimistisch sein, dass die Behörde ihren Spielraum (den es hier ohne weiteres gibt) ausnützt, auf Ihren Entscheid (Entfernung des Wandbildes) zurückkommt und es legalisiert.
Roland Baldinger
PS: die Bauwand an der Dübendorfstrasse wurde nicht teilweise wieder weiss, weil der Gemeinderat seine Weisung „…bleibt diese Bauwand neutral weiss, damit der Verkehr strassenseitig nicht unnötig abgelenkt wird“ durchsetzen will, sondern weil sie teilweise defekt gewesen sei (Gemeinderat). Schon heute ist sie wieder bemalt. Hier Mainstream-Toleranz, dort schikanöse Paragraphenreiterei gegen einen kreativen, initiativen Bürger und Steuerzahler, der übrigens seine Liegenschaft vorbildlich pflegt, was man nicht überall feststellen kann in der Kernzone. Augenmass ist gefragt, nicht behördliche Unvernunft.