Zu Gast in der Schweiz

Reisen Schweizer ins Ausland, darf man dort erwarten, dass diese sich anständig verhalten und die örtlichen Gepflogenheiten respektieren. Dasselbe kann man von den Gästen in unserem Land einfordern, auch wenn viele aus anderen Gründen als ferienhalber hier sind.

Entsetzt von den Kriegsgräueln in der Ukraine haben viele Schweizer im Frühjahr 2022 spontan Wohnraum zur Verfügung gestellt, um Flüchtlingen ein Obdach anzubieten – günstig oder ganz kostenlos. So auch die grosszügige ältere Dame, von der hier die Rede ist, und die uns schreibt:

«Ein grosser Flüchtlingsstrom kam auf die Schweiz zu. Es wurden viele leere Betten gesucht. Sofort entschied ich mich, meine eigene 4 ½ Zimmer Wohnung zur Verfügung zu stellen. Offenes Wohnen, mit Stube, Esszimmer, Küche, 3 Schlafzimmer mit je 2 Betten, ein neuer Duschraum mit einer 8 kg-Waschmaschine, WC etc. Was eine Wohnung so an sich hat. Dazu kommt ein kleiner Balkon Richtung See und ein grosser Sitzplatz mit Tisch und Stühlen. Ich selbst bin in unser Gästezimmer umgezogen.

Kurz darauf wurde mir von der Gemeinde eine sehr liebe und nette Dame mit zwei schulpflichtigen Kindern und Hund zugewiesen. Da sie kein deutsch und nur englisch konnte, verständigten wir uns mit dem Handy. Das ging sehr gut.

Bevor die drei zu mir kamen waren sie schon länger hier in der Schweiz. Mit dieser Familie war es eine sehr schöne Zeit. Doch nach einem Monat verliessen sie die Schweiz wieder; die Mutter um zu arbeiten.

Es ging nicht lange, kam die Gemeinde mit neuen Flüchtlingen. Diesmal zwei Frauen mit je zwei Kindern. Also insgesamt sechs Personen in meiner 4 ½ Zimmer Wohnung. Die eine Frau wollte nur russisch sprechen und die andere nur ukrainisch. Mit der russischsprachigen Dame konnten wir nicht gut kommunizieren. Denn sie wollte auch kein deutsch sprechen. Die Kinder konnten deutsch weder sprechen noch verstehen. Die andere Dame sprach sehr gut deutsch, denn sie ist Lehrerin. Auch ihre sehr gut erzogenen Kinder, ein Junge und ein Mädchen im Alter von 6 und 11 Jahren, sprechen unsere Sprache sehr gut. Die beiden Frauen sind vom gleichen Kriegsland und trotzdem verstehen sie sich überhaupt nicht. Sie haben sehr viel gestritten.

Sie brachten sehr viel Gepäck, womit meine eigene Wohnung völlig überlastet war. Was keinen Platz in den Schränken hatte – jede Frau hatte einen grossen Schrank zu Verfügung – wurde mit meinen eigenen Sachen vermischt. Mein ehemals ordentlich aufgeräumter Bettwäscheschrank war vollgestopft. Nach kurzer Zeit Chaos.

Wie oft bat ich die Gemeinde um Unterstützung! Es kam NIE jemand vorbei. Anscheinend waren alle überlastet und überfordert. Ich kam mir so alleingelassen vor, dass ich keine andere Hilfe wusste als meine Treuhandfirma ins Boot zu holen. Ich bat sie, meine Wohnung bei der Gemeinde zu kündigen.

Anfang Mai 2023 zog nun die Dame mit den zwei Mädchen aus; sie bekam eine Wohnung in einem anderen Ortsteil. Die andere Frau ging mit ihren Kindern in die Ferien nach Italien.

Meine Enkelin und ich fanden die Wohnung in einem schrecklichen Zustand vor. Alles war schmutzig und eklig. Gewisse Pfannen sind nicht mehr zu gebrauchen und mussten entsorgt werden. Obwohl eine grosse Geschirrwaschmaschine vorhanden ist, wurde das Geschirr nur von Hand abgewaschen, und das nicht mal sauber. Das Besteck war klebrig und fettig. Den Backofen fanden wir in einem schrecklichen Zustand vor.

Wir reinigten dann alle Küchenuntensilien und räumten sie wieder schön in die gewaschenen Küchenschränke ein. Der Backofen erfuhr eine Grossreinigung. Der Wäscheschrank wurde ausgeräumt und geputzt und die gewaschene Wäsche räumten wir wieder ordentlich ein.

In meinem Geschirrschrank im Wohnzimmer waren Schuhe drin. Alle haben ziemlich viel Schuhe für Geflüchtete. Als die Dame ausgezogen ist und die andere in den Ferien war, habe ich eine Putzfrau angestellt, die die Wohnung gereinigt hat. Sehr lange war sie mit der Wohnung beschäftigt. Es wurde ein Jahr lang nicht richtig geputzt. Zu guter Letzt haben sie mir die erst zwei Jahre alte Waschmaschine kaputt gemacht. Der Servicetechniker der vorbei kam, führte den Defekt auf Fremdeinwirkung zurück. Wieso kann man einer Wohnung und deren Inhalt nicht Sorge halten? Ich verstehe dies nicht.

Das ist die Geschichte mit unseren Flüchtlingen, und wie es ist, wenn man Hand bietet. Man fühlt sich richtig ausgenutzt, veräppelt und alleine gelassen. Ich würde es nicht wieder tun.»

Publiziert von Roland Baldinger

Anmerkung der Redaktion: Dieser Bericht stellt eine einzelne Erfahrung dar und ist nicht automatisch zu verallgemeinern. Wir veröffentlichen gerne auch weitere Erfahrungen. 
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