Persönlichkeiten in Fällanden (5)

Henri Gammenthaler

Im Rahmen unserer periodischen Beiträgen von und über prominente Fällander in «Inside Fällanden» haben wir heute das Multitalent Henri Gammenthaler gebeten, uns von seinem spannenden privaten als auch von seinem beruflichen Leben  zu erzählen.

Bald ist es soweit: Einige werden sich wegen den rigorosen Verkehrsbeschränkungen, auch in unserer Gemeinde, ärgern, aber sehr viele Hobby- und Amateurrennvelofahrer wie z. B. der prominente Fällander Henri Gammenthaler freuen sich riesig auf die vom 21. bis 29. September 2024 stattfindenden UCI-Rad- und Para-Cycling-Strassen-Weltmeisterschaften.

Nun, wer ist dieser legendäre Henri Gammenthaler, unter Kumpels auch «Gami» genannt?  Den älteren Lesern von «Inside» ist Gami sicher als Kultfigur bekannt: er war u. a. Schweizer Sprintermeister, Moderator, und vieles mehr.

Am 8. Juni 1940 ist Henri als jüngster Spross in Winterthur-Seen in bescheiden bis ärmlichen familiären Verhältnissen geboren und mit einer Schwester und einem Bruder aufgewachsen.

Der Traum vom Radfahrerprofi erwachte in ihm schon im Alter von 10 Jahren: nämlich als die Tour de Suisse an seinem Geburtsort Etappenhalt  machte. An dieser Tour nahm auch der damals und heute noch berühmte Schweizer Ferdy Kübler, «Ferdy-National»  teil, welcher seinerseits die Tour de Suisse zweimal, die Gesamttour de France einmal gewonnen hat.

H. G. war von dieser Tour de Suisse mit seinen Protagonisten so sehr beeindruckt, dass er unbedingt Ferdy Kübler nacheifern wollte. Zwar startete H. G. nach dem Schulabschluss eine Lehre als Bäcker, brach diese dann schon nach 2 Lehrjahren ab, da der Arbeitsbeginn mitten in der Nacht «nicht sein Ding» war. Für seine Eltern bedeutete dies ein Riesenschock. Denn  H. G. erhielt  in der Bäckerlehre nebst Kost auch Logie; so stand er bei Lehrabbruch wieder «auf der Strasse». Seine Familie war nur unter der Bedingung wieder bereit ihn aufzunehmen, wenn er monatlich Fr. 250.- an Logie zahlen würde. Nach dem Motto: «Vogel friss oder stirb» musste Henri schleunigst einen Job finden, welchen er auf Grund eines Inserates in der FAG AG Wallisellen, welche später mit der Bell AG fusionierte, auch fand. Als Hilfsbuchhalter mit einem Anfangslohn von Fr. 750.- war zumindest seine Existenz und seine Logie bei seinen Eltern gesichert. Seine ausserordentlichen Leistungen öffneten ihm schon nach einem Jahr die Tür zum Aussendienstmitarbeiter.

Nach weiteren 3 Jahren erfolgte dort, dank seinen riesigen Umsätzen, der nächste Karriereschritt zum Chefverkäufer. Die FAG AG war mit Gami so zufrieden, dass sie ihm sogar die Ausbildung zum eidg. diplomierten Verkaufsleiter finanzierten. Parallel dazu wollte H. G. schon während der Schulzeit seinen Traum vom Radfahrerprofi umsetzen. Um seine hochfliegenden Pläne zu realisieren musste H. G. aber weit unten, sozusagen als Tellerwäscher beginnen: beim noch heute existierenden Zweirad Fachgeschäft Brugnoli in Dübendorf putzte er Velos bis er sich mit seinem Lohn von 80 Franken ein Occasionsrennrad leisten konnte. Ein dazu geschenktes Foto vom legendären Hugo Koblet  bestärkte ihn in seinen Visionen.

Zu den Gebrüder Brugnoli entwickelte sich eine enge Freundschaft. So liessen die Brugnolis extra für Henri in Italien ein Rennfahrertrikot mit Beschriftung anfertigen und sponsorten zudem Gami fortan, denn sie glaubten felsenfest an ihn. Die Freundschaft zu den Brugnolis entwickelte sich so intensiv, dass der später tödlich verunglückte Moritz Brugnoli mit dem SRV Sprintermeistertrikot von Henri beerdigt wurde.

Nun trainierte er wie besessen auf der offenen Rennbahn Oerlikon für eine Karriere. Als 17 Jähriger traf H. G. den auch dort trainierenden, schon 38 Jahre alten Ferdy Kübler. H. G. war von den legendären und aktuellen Leistungen von F. K. sehr beeindruckt. Aber nicht weniger überrascht war F. K. seinerseits vom unscheinbaren Sprinter H. G., der ihm alles ab verlangte um auf der Rennbahn mit ihm mithalten zu können. So überraschte es nicht, als H. G. 1968 und auch im folgenden Jahr zum SRV Sprintermeister gekoren wurde. Die Tatsache, dass in beiden Rennen nebst Amateuren auch Profis teilnahmen zeigt, welche Glanzleistungen H. G. vollbracht hatte. Um noch weitere Titel zu gewinnen wurde er von seinem Trainer dazu genötigt, leistungsfördernde «Substanzen» einzunehmen, was er aber strikte ablehnte und daher schweren Herzens seine erfolgreiche Karriere als Sprinter an den Nagel hängte.

Gami wäre nicht Gami, wenn er von nun an nur noch seinem erfolgreichen Beruf bei der Bell AG gefrönt hätte. Nein, seine Visionen zur Radfahrerei waren noch nicht alle realisiert. Er startete parallel dazu eine nicht minder erfolgreiche Karriere: nämlich die eines Moderators/Sportreporters: so wurde für die offene Rennbahn in Oerlikon ein Speaker gesucht: für Gami wie zugeschnitten. Mit Freude wurde ihm das Amt als Topanwärter übertragen. Diese Aufgabe war wiederum Trittbrett für weitere Moderationen an allen Arten von Sportanlässen, bei Lokal- und Schweizer Radios und TVs. So kommentierte er z. B. auch an der Tour de Suisse, an den Zürcher Sylvester Läufen und… Gami war stets bis aufs kleinste Detail gut vorbereitet. Zusammen mit seiner Wortgewandtheit war das der Grundstein für seinen riesigen Erfolg. Selbst an Formel 1 Rennen moderierte Gami und interviewte dort unter anderen Persönlichkeiten auch Peter Sauber, Clay Regazzoni, Niki Lauda und, und, und…

Aber auch an Schwingfesten  trat er als Speaker auf und lernte dort so u. a. auch den Kranzschwinger Abderhalden kennen und schätzen. 

In der Musikszene hatte Gami u. a. mit dem Trio Eugster beruflichen Kontakt.

Kürzlich wurde H. G. als Radsportexperte im angeblichen Dopingfall Mathias Flückiger hinzu gezogen. Die Substanz Zeranol, das angeblich bei Flückiger gefunden wurde könnte er unbewusst auch mit Fleisch aufgenommen haben. Flückiger wurde rehabilitiert, seine Karriere aber war zerstört.

Mit seinen heutigen 84 Jahren moderiert Gami, wenn er nicht gerade im Sattel sitzt, immer noch an privaten Events.

Die Redaktion wünscht Gami für die nächsten Jahrzehnte beste Gesundheit und viel Freude in unserer Gemeinde.

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