von Gisela Weisner, Benglen
Unser Gemeindepräsident hat bei der letzten Gemeindeversammlung die Idee geäussert, es wäre sinnvoll, wenn Fällanden eine eigene Zeitung herausbringen könnte (mein Vorschlag: «Fällander Echo»). Bis jetzt sind wir ja ein Anhängsel des Glatttalers. Inzwischen hat Fällanden fast 8000 Einwohner und da wäre es doch schön, wenn wir eine eigene Zeitung herausgeben könnten.

Ich stelle mir vor, dass in einer kleinformatigen Zeitung politische Meinungen der verschiedenen Parteien, des Gemeinderates, alltägliche Belange, Ärgernisse und Wünsche der drei Ortsteile publiziert werden. Heitere und sinnige Kolumnen aus der Bevölkerung wären willkommen. Die entsprechenden Beiträge sollten sachlich, angemessen und nicht verletzend sein. Fällanden verfügt über ein gutes Potential an klugen und engagierten Leuten, die sicherlich bereit wären mitzumachen.
Meine Idee ist das Eine, das Andere ist deren realistische Umsetzung. Und vor allem, wie lässt es sich finanzieren. Da liegt wohl der Hase im Pfeffer!
Ich lese ständig, dass die Schweiz eines der reichsten Länder ist. Lebt man allerdings in der Schweiz, macht man die Erfahrung, dass an allen Ecken und Enden gespart wird. Die Gemeinden, Kantone und der Bund stöhnen und ächzen über bevorstehende Finanzierungen, für die offenbar das nötige Geld fehlt (siehe 13. AHV!). Wieso dann plötzlich 4 Milliarden für das Militär vorhanden sind, ist eines der grossen Rätsel unseres Bundesrates.
Von Ideen sollte man nicht nur träumen, sondern auch versuchen, sie zu verwirklichen. Gesucht werden Leute, die bereit sind Worte in Taten umzusetzen! Ich bin dabei.

Liebe Frau Weisner
Ihre Idee, einer kleinen Zeitung für eine Gemeinde, wäre schon vor 20 Jahren kaum finanzierbar gewesen. In der heutigen Zeit wäre das praktisch unmöglich und noch schlimmer, die Zeitung würde wie 95% aller Direktwerbung im Altpapier landen. Zudem müssten Sie mindestens 70% der Seiten im Inseraten füllen können, was ebenfalls nicht möglich ist. Weiter haben sich die Lesergewohnheiten verändert: die junge Generation lebt und liest nur noch Online. Die Reichweitenverluste aller Publikationen weltweit mit Ausnahme von Spezialzeitschriften sind enorm. Es ist fast alles verschwunden und auch der grosse Tages-Anzeiger kämpft um das Überleben. Früher hatte der Tages-Anzeiger pro Tag mehr Seiten als heute alle sechs Ausgaben einer Woche zusammen und das ohne den Stellenanzeiger, der früher am Dienstag und am Donnerstag erschien. Am Samstag nur Kaderstellen. Glauben Sie mir, als ehemaliger Verlagsleiter des Ringier-Verlags habe ich mich jahrelang mit Publikationen beschäftigt und von hinten nach vorne berechnet. Sie unterschätzen die Kosten. Zudem gibt es ja Inside Fällanden, das leider viel zu wenig genutzt wird. Und des weiteren braucht Fällanden kein Propagandablatt des Gemeinderates: es gibt genügend teure Publikationen in der Gemeinde. Wenn Sie privat Worte in Taten umsetzen wollen, dann brauchen Sie Geld. Sehr viel Geld, das Ihnen nach ein zwei Jahren ausgehen wird. Unter 5 Mio. brauchen Sie nicht mal mit dem rechnen zu beginnen. Tut mir leid, Ihnen die Illusion zu nehmen. Aber die Zeiten haben sich sehr geändert.
In einem Beitrag auf Inside Fällanden wird von einer Dorfzeitung geschwärmt.
Der professionelle Kommentar von Harry Eggimann dazu seziert die Idee fundiert. Übrig bleibt nichts – ausser sinnlos ausgegebenem Steuergeld, würde man die Idee umsetzen.
Aus spezifisch Fällander Sicht kann die Analyse ergänzt werden:
Eine von der Gemeinde finanzierte Dorfzeitung bringt keine politischen Artikel, die z.B. die gemeinderätliche Arbeit kritisch beleuchten. Ein solches Blatt kann nicht frei von Zensur sein, denn es liegt ein grundlegender, unlösbarer Interessenkonflikt vor. Im aktuellen Amtsblatt sieht man laufend, wie mit Leserbriefen umgegangen wird. Schon im Mittelalter hiess es: «Wes Brot ich ess, des Lied ich sing». Andere, teure Dorfzeitungen sind schon wieder verschwunden. Trotzdem investiert der Gemeinderat Ressourcen in eine solche Idee.
Seit vier Jahren machen sechs Idealisten die Online-Plattform inside-faellanden.ch. Ohne einen Franken Steuergeld. Ohne Zensur. Ohne Papier. Schnell. Beiträge werden ausnahmslos publiziert, sofern Sie dem Gesetz entsprechen. Die Leserschaft wird jährlich zahlreicher.
Diese kompromisslos leserfreundliche Haltung der sechs Macher ist der Beitragschreiberin offenbar entgangen. Sie nutzt dieses weitherum einmalige Angebot, ruft aber gleichzeitig nach einer staatlichen, zum Scheitern verurteilten Lösung. Das beste Kompliment, dass man Inside Fällanden machen kann.
Lieber Herr Baldinger, lieber Herr Eggimann,
Ihre Einwände gegen eine Ortszeitung kann ich gut nachvollziehen. In meinem etwas naiven Idealismus hab ich da wohl so manches übersehen. Meine Idee ist auf die damalige Ortszeitung «Wir Bengler» zurückzuführen. Viele Jahre hatten wir diese monatliche Broschüre, allerdings auf eigene Kosten, nur durch Inserate finanziert. Sie war neutral und unpolitisch. Wir waren von niemanden abhängig. Inzwischen gibt es «Wir Bengler» nicht mehr. Die Zeiten haben sich geändert.
Natürlich bin ich eine Befürworterin und eifrige Leserin von ‚Inside Fällanden‘. Leider wird diese Platform von vielen garnicht gelesen, geschweige denn benutzt. Und wenn, dann mehrheitlich von engagierten Männern. Darüber bin ich schon enttäuscht. Wie könnte man das verbessern? Ich habe noch keine Antwort gefunden. Vielleicht ist es einfach mangelndes Interesse und eine gewisse Trägheit unserer Mitmenschen. Mein Motto ist «wer nichts wagt, gewinnt auch nichts».
Wie die Herren Eggimann und Baldiger bereits erläutert haben, wäre der Vertrieb eines eigenes Dorfblatt sehr kostspielig und man erreicht damit die jungeren Generationen kaum mehr. Mit Inside Fällanden gibt es ja bereits eine tolle Informations- und Diskussionsplattform. Um noch mehr Personen ansprechen zu können, bräuchte diese aber einen deutlich grösseren Funktionsumfang, wie dies beispielsweise die Plattform Crossiety anbietet, welche bereits von verschiedensten Gemeinden genutzt wird.
https://www.crossiety.ch/funktionen/
Lieber Herr Niederer
Vielen Dank für Ihren Input. Wie Sie wahrscheinlich wissen, sind wir ein kleiner Verein, dessen Mitglieder sich ebenfalls Gedanken darüber machen, wie wir «Inside Fällanden» weiter verbessern können.
Bezüglich Ihres Wunsches nach einem erweiterten Funktionsumfang: Was genau vermissen Sie? Dinge zu verkaufen oder zu verschenken, gelingt auf Plattformen wie tutti.ch oder in Facebook-Gruppen sehr viel besser. Einen Veranstaltungskalender gibt es sowohl bei der Gemeinde als auch bei uns schon seit langer Zeit. Einen unzuverlässigen Wetterbericht bieten wir ebenfalls an, und sogar den elektronischen Abfallkalender haben wir bei «Inside Fällanden» initiiert, noch bevor dies von der Gemeinde umgesetzt wurde.
Vor allem aber besteht bei uns die Möglichkeit, Beiträge einzureichen, die von Mitbürgerinnen und Mitbürgern gelesen und kommentiert werden können, da alle publiziert werden. Solche Beiträge entstehen auch bei Plattformen wie Crossiety und Co. nicht von allein.
Eine kleine Netz-Recherche ergab übrigens Initialkosten bei Crossiety im Jahre 2020 von 2’500 – 10’000 CHF plus jährlich wiederkehrende Fixkosten von 5’000 CHF und 1 CHF pro Einwohner (Quelle: https://www.fricktal.ch/wp-content/uploads/2019/09/3-Bruderer-Digitaler-Dorfplatz.pdf).
«Inside Fällanden» ist im Vergleich dazu wesentlich günstiger: Es kostet Sie nämlich nichts.
In der heutigen Zeit gibt es nicht mehr das eine Medium, sondern viele verschiedene Informationskanäle. In unserer Freizeit betreiben wir einen davon.
Lieber Herr Wihler
Inside Fällanden ist eine tolle Plattform, die ich und viele andere Fällander sehr schätzen. Sie erleichtert und fördert den freien Meinungs- und Informationsaustausch zwischen den Bürgern. Trotzdem denke ich, dass ein Plattform wie Crossiety mit mehr Funktionalitäten die Anzahl der Nutzer und Interaktionen noch weiter steigern könnte.
Sie haben vermutlich vor einigen Jahren auch noch SMS geschrieben, diese Telekommunikationsfunktion damals sehr geschätzt und genutzt, sind dann aber trotzdem irgendwann auf WhatsApp umgestiegen. Warum?
Corssiety bietet meiner Ansicht nach einfach einige Funktionen, wie z.B. die Möglichkeit zur Bildung von Vereins- und Interessensgruppen oder auch das Starten von Umfragen, welche jetzt z.B. Inside Fällanden nicht hat. Beiträge können sogar von jedermann, jederzeit verfasst werden, ohne das diese vorab «eingereicht» werden müssen und kommentiert werden können diese auch. Da man auch nur als registrierter Nutzer etwas verfassen, publizieren oder kommentieren kann, ist auch die Problematik mit möglicherweisen anonymen oder hetzerischen Beiträgen bereits gut eingedämmt. Ich möchte ja jetzt nicht Werbung für die Crossiety-Plattform machen, aber ich denke die Kosten von jährlich etwa CHF 1.50 pro Einwohner, wird sich Fällanden noch leisten können, wenn dadurch das dörfliche Zusammenleben und die demokratische Partizipation, insbesondere in der jüngeren Generation gestärkt werden können. In Eglisau beispielsweise haben immerhin über 20% der Einwohner einen Nutzeraccount, was doch eine ziemlich beachtliche Beteiligung ist.
Wer sich ein genaueres Bild über die Crossiety-Plattform machen möchte, dem empfehle ich gratis auf der Homepage ein Benutzer-Account zu eröffnen und mal etwas herumzuschnüffeln. Das kann und darf man auch, wenn man nicht in einer Gemeinde wohnt, welche bereits bei Crossiety dabei ist. 😉
https://crossiety.app/signup
https://crossiety.app/dorfplatz/eglisau