1. August in Fällanden

Just bevor der Gemeindepräsident – verkleidet mit einer Tächlichappe im MAGA-Stil – das Wort ergriff, hörte der Regen auf. Um 20.00 h trat dann der Hauptredner dieses Abends auf: Prof. Dr. Reiner Eichenberger, Inhaber des Lehrstuhls für Theorie der Finanz- und Wirtschaftspolitik der Universität Freiburg i. Üe.

(Symbolbild)

Eloquent und unterhaltsam führte er durch die vielen Jahrhunderte Schweizer Entwicklung:

Beginn war die Öffnung des Gotthardpasses durch die Urner in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Aufgrund der guten Lage in Europa entwickelte sich daraus ein einträgliches Geschäft durch Zolleinnahmen, was wiederum die (dank der Kriegskunst der Eidgenossen erfolgreiche) Sicherung des Vorlandes im Norden und Süden erforderte. 1515 dann der Rückschlag: Niederlage in Norditalien. Die Folge davon ist der Anfang der Schweizer Neutralität.

Fortan beteiligten sich Schweizer nur noch als Söldner an fremden Kriegen. Offiziell Partei Ergreifen kam nicht mehr infrage wie z. B. im 30-Jährigen Krieg: auf welche Seite sollte man sich schlagen? Der Staatenbund war ja auch konfessionell gemischt aufgestellt.

Letzteres war nicht immer spannungsfrei und war Auslöser des kurzen Sonderbundskrieges, dessen Ausgang zur Gründung des Bundesstaates von 1848 führte mit seinem auf Ausgleich angelegten Zweikammersystem, allerdings noch ohne wesentliche Elemente der direkten Demokratie:

In einem ersten Schritt wurde 1874 das fakultative Referendum eingeführt und dann 1921, 1949 und 2003 noch ergänzt. Mit dem nachträglichen Referendum von 1949 konnten dringliche Bundesbeschlüsse in Frage gestellt werden, nachdem die Regierung dieses Instrument in beiden Weltkriegen ausgiebig angewandt hatte.

Das Initiativrecht besteht seit 1891.

Heute dürfen wir in einem föderalistischen Staat leben mit guten Institutionen. Das ist aber nicht umsonst zu haben:

Das System des Finanzausgleichs droht für die 18 Nehmerkantone (Budget 2026/Ganz- und Halbkantone) zum Ruhekissen zu werden zulasten der 7 Geberkantone.

Auch die Gratis-Zuwanderung (Fachkräftemangel) hilft dem Land nicht weiter, auch wenn für die Regierung «alternativlos». Allenfalls profitieren einzelne Firmen davon. Zwei Volksinitiativen dagegen sind in Vorbereitung.

Zur Stärkung des Instruments der Volksinitiative und deren Auswirkungen könnte man eine Erfolgsprämie von vielleicht CHF 2.0 Mio. aussetzen, nichtstaatlich finanziert.

Das Referat war geeignet, das Geschichtswissen im Publikum etwas aufzufrischen zuhanden eigener Reflexion.

Geschichtswissen ist unabdingbar, will man die Gegenwart verstehen und die Zukunft abschätzen.

Daher hätte man vom Referenten etwas mehr erwarten dürfen zu den aktuellen Themen und deren mögliche Folgen. Eine Ergänzung wäre interessant gewesen.

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