Zu viel FDP in Schlüsselrollen: Wer kontrolliert dann noch?

von Stefan Schelling, Fällanden

Am 12. April entscheidet die Fällander Stimmbevölkerung bei den Erneuerungswahlen der Gemeindebehörden (Amtsdauer 2026–2030) über die Zusammensetzung von Gemeinderat, Schulpflege, RPK usw. Die Parteien positionieren sich – und damit wird sichtbar, in welche Richtung Fällanden in den nächsten Jahren gehen soll.

Was mich dabei sehr beschäftigt: Es zeichnet sich ab, dass mehrere zentrale Schlüsselrollen und Kommissionspräsidien am Ende bei derselben Partei (FDP) landen könnten. Das mag für manche nach „starker Führung“ klingen. In Wahrheit ist es heikel – weil Kontrolle und Gegenstimmen fehlen, wenn zu viele Schlüsselrollen aus derselben Partei kommen.

Die Schweiz lebt von ihrer Mehrparteien-Demokratie. Sie funktioniert, weil Macht verteilt ist, weil verschiedene Sichtweisen einander kontrollieren und weil es echte Gegenstimmen gibt. Wenn in einer Gemeinde aber zu viele entscheidende Funktionen in einer politischen Hand konzentriert werden, wird genau dieses Prinzip untergraben – die Mehrparteien-Demokratie wird faktisch ausgehebelt, weil Kontrolle und Widerspruch schwächer werden. Dann entsteht ein System, in dem man sich gegenseitig bestätigt, statt sich kritisch zu hinterfragen.

Dass es für gewisse Präsidentenämter kaum oder keine Herausforderer gibt, ist ein Armutszeugnis für die politische Parteien vor Ort. Demokratie braucht Wettbewerb – sonst wird Wiederwahl zur Formsache.

Und ich sage es deutlich: Wenn dieses Paket gewählt wird, geht es weiter wie anhin.

Weiter mit teuren Studien, die viel Geld kosten – und am Ende zu oft ohne spürbaren Nutzen bleiben oder in der Schublade verschwinden. Weiter mit einer Politik, bei der viele Einwohnerinnen und Einwohner den Eindruck haben: viel Aufwand, viele Projekte – aber zu wenig Ergebnis für zu viel Geld.

Besonders problematisch ist aus meiner Sicht der Kurs „Privatisierung / Auslagerung“. Immer wieder gab es Bestrebungen, zentrale Aufgaben und Liegenschaften eher wie ein Unternehmen zu behandeln: Altersheim, Gemeindehaus – und ebenso Themen rund um die Werke sowie Projekte wie Fernwärme, bei denen viel Zeit, Geld und Energie investiert wird, ohne dass am Ende zwingend ein tragfähiges Resultat steht. Solche Vorhaben können sinnvoll sein – aber dann braucht es erst recht fähige Personen: Menschen, die Projekte sauber führen, Risiken offenlegen, Kosten ehrlich beziffern, Varianten vergleichen und Entscheide transparent begründen. Und es braucht eine wirklich unabhängige RPK, die hinschaut und notfalls stoppt – statt einfach durchzuwinken.

Dazu kommt die Frage, wie Fällanden künftig aussehen soll:

  • Verdichtung um jeden Preis in Benglen und Fällanden – obwohl wir das Wachstumsziel 2030 heute bereits erreicht haben?
  • Pfaffhausen als immer exklusiveres Villenquartier – und gleichzeitig die Gefahr, dass am Ende eine Zukunft ohne echte Perspektive für eine Sekundarschule bleibt?

Das sind keine Nebensächlichkeiten. Das sind Grundsatzentscheide, die bestimmen, wie wir leben, wie wir bauen, wie unsere Kinder zur Schule gehen – und wie hoch die Rechnung wird.

Darum mein Appell an alle Stimmberechtigten: Überlegt euch gut, ob ihr diesen Kurs weiterhin wollt – und vor allem, ob ihr ihn weiterhin finanzieren wollt. Die Kosten tragen nicht Parteien, sondern wir alle: über Steuern, Gebühren und jahrelange Folgekosten.

Und besonders an die Eltern schulpflichtiger Kinder: Überlegt euch, ob ihr das „Schmierentheater“ der letzten Jahre – mit Unruhe, Streit, fragwürdigen Prioritäten und ständigem Hin und Her – noch einmal ertragen wollt. Schule braucht Stabilität, Fokus und verlässliche Entscheide. Kein Dauerdrama.

Zum Schluss noch etwas Grundsätzliches: Ich bin der Meinung, dass Parteipolitik auf Gemeindeebene generell nichts verloren hat. In einer Gemeinde geht es nicht um Parolen, sondern um funktionierende Schulen, transparente Finanzen, vernünftige Planung, gute Infrastruktur und Lebensqualität. Dafür braucht es Menschen mit Qualifikation und Kompetenz – und vor allem mit dem klaren Willen, der Gemeinde zu dienen statt Parteilinien zu folgen. Wer ein Amt übernimmt, soll Entscheidungen nach Fakten, Nutzen und Verantwortung treffen – nicht danach, was gerade ins Parteibüchlein passt.

Demokratie heisst nicht „Durchmarsch“. Demokratie heisst Machtteilung, Kontrolle und Transparenz. Genau darum ist es gefährlich, wenn zu viele entscheidende Funktionen in derselben politischen Hand liegen.

Eine Antwort auf „Zu viel FDP in Schlüsselrollen: Wer kontrolliert dann noch?“

  1. Sehr geehrter Herr Schelling

    Mit Interesse habe ich Ihren Bericht «Zu viel FDP in Schlüsselrollen: Wer kontrolliert dann noch?» gelesen. Ich kann Ihre Befürchtungen verstehen. Es ist davon auszugehen, dass auch andere Einwohnende von Fällanden ähnliche Vorbehalte zu den anstehenden Wahlen haben. Es ist deshalb wichtig, dass alle lokalen Parteien in den Kandidatenlisten vertreten und aufgeführt sind resp. zur Auswahl stehen.

    Grundsätzlich haben wir Schweizer Bürger und Bürgerinnen das ganz grosse Privileg, dass wir in einer Demokratie leben dürfen und können. Wir haben ein uns verfassungsrechtlich zugesprochenes aktives und passives Stimm- und Wahlrecht. Wir geniessen u. a. Glaubens-, Meinungs-, Versammlungs-, Pressefreiheit sowie zahlreiche weitere Freiheiten. Ausserdem steht uns auch ein vielfältiges politisches Instrumentarium zur Anwendung zur Verfügung. Allerdings gilt unverändert der alte Slogan: «Wer abstimmt – bestimmt.» Unter diesem Aspekt bekommt Ihr Aufruf an die Stimmberechtigten eine zusätzliche Komponente und Bedeutung.

    Betreffend Unabhängigkeit der RPK und dem Fällander-Schulbetrieb, kann ich Ihnen versichern, dass es in der Gemeinde Fällanden einige Einwohnende gibt (nicht nur aus der von Ihnen erwähnten Partei), die sich zur aktuellen Lage in der Gemeinde Gedanken machen. Die sich deshalb für Behörden- oder Kommissionstätigkeiten bereithalten, zur Verfügung stellen und Ihnen sowie allen stimmberechtigten Fällandern die Möglichkeit bieten, diese Personen zu wählen. In öffentlich zugänglichen Plattformen (z. B. «Inside Fällanden») und in amtlichen Publikationen sind die zahlreichen Kandidierenden mit und ohne Parteizugehörigkeit leicht auszumachen. Für die Stimmberechtigten ist es nicht immer ganz einfach bei parteilosen Kandidierenden einzuordnen ob und zu welchen Werten und politischen Strömungen sie tendieren resp. wo sie gesinnungsmässig zu beheimaten sind. Nicht ganz überraschend aber dafür eher erwartungsgemäss kommt es innerhalb von Ortsparteien vor, dass einzelne Parteimitglieder zu bestimmten Themenfelder auch divergierende Meinungen und Standpunkte haben, was dazu führt, dass man sich sachlich untereinander austauscht und diskutiert und sich so eine ausdifferenzierte Meinung bilden kann.

    Alleine in Benglen gibt es derzeit fünf motivierte, engagierte und wählbare Kandidaten (eine Frau und vier Männer, mit und ohne aber verschiedenen Parteibüchern), die sich um einen Sitz in einer unabhängigen RPK und in einer bildungs- und zukunftsorientierten Schulpflege bemühen. Beide, RPK und Schulpflege können für den Gemeinderat durch ihre detaillierten Feedbacks respektierte Gesprächssparringpartner sein – sofern sie den gefragt werden.

    Herr Schelling es liegt an Ihnen und den übrigen Wahl- und Stimmberechtigten am Sonntag,

    12. April 2026 an die Urne zu gehen oder vorgängig postalisch abzustimmen und der gewünschten politischen Richtung für Fällanden nachhaltig Ausdruck zu verleihen.

    Besten Dank dafür, dass Sie die Stimmbeteiligung wahrnehmen werden.

    PS > Vielleicht stellen Sie sich bei nächster Gelegenheit für eine Behörde oder Kommission zur Verfügung (hoffentlich als Vertreter einer Partei). Dies ganz im Sinne von Erich Kästner « Es gibt nichts Gutes, ausser: Man tut es.»

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