Papier ist geduldig.
Auch die Diskussionsplattform “Inside Fällanden”. Und das ist gut so. Dieses Forum ist eine einzigartige Gelegenheit, unzensierte Meinungen öffentlich kundzutun.
Es bietet dieser Tage auch einem Einsender Platz für seinen Artikel mit dem Titel «Sicherheit ernst nehmen».
Wer wollte dem widersprechen?
Thema sind die beiden eidgenössischen Abstimmungen vom 14. Juni 2026 betreffend die Änderung des Zivildienstgesetzes und die Nachhaltigkeits-Initiative “Keine 10-Millionen-Schweiz”.
Aufgrund eines bunten Strausses von Gemeinplätzen kommt der Verfasser zum Schluss, am 14. Juni 2026 zweimal nein zu stimmen als «Ja zu Verantwortung, zu Handlungsfähigkeit und zu Lösungen, die im Alltag wirklich tragen.»
Zivildienstvorlage
Er plädiert für eine starke Armee, die Mittel dazu will seine Partei aber nicht ausgeben, während die weitgehend unnützen Riesenbeträge für Entwicklungshilfe unangetastet bleiben sollen. Wir sprechen von Militärausgaben, die seit 1960 (2.3% BIP) bis 2020 (0.8% BIP) derart geschrumpft sind, dass die Armee den Auftrag nicht mehr erfüllen kann.
Diese Vorlage will den Zugang zum Zivildienst erschweren, um Bestandeslücken bei der Truppe zu reduzieren. Das wäre längst nötig: 1996 leisteten ca. 100 junge Männer Zivildienst, 2025 waren es deren 7’200. Der Einsender möchte aber von der Änderung nichts wissen. Starke Armee?
Nachhaltigkeits-Initiative
Im Juni können wir in der Schweiz auch Stellung nehmen zu einem stark reduzierten, zweckmässigen und besser verträglichen Bevölkerungswachstum (kein Nullwachstum!). Vorgeschlagen ist eine künftige Obergrenze der Schweizer Wohnbevölkerung zu einem bestimmten Zeitpunkt. Mehr oder weniger alle Parteien (ausser der SVP), Organisationen usw. lehnen das Ansinnen ab.
Es ist interessant: 1972 kam der Bericht «Die Grenzen des Wachstums» des Club of Rome heraus, beklatscht von vorwiegend linken, wirtschafts- und wohlstandskritischen Leuten. «Nullwachstum» war das Schlagwort. Das Bürgertum und die Wirtschaft konnten damit wenig anfangen.
Heute ist es gerade umgekehrt: die Kreise, die seinerzeit «Nullwachstum» skandierten, lehnen heute eine Verzögerung des immigrationsgetriebenen Bevölkerungswachstums ab, sekundiert von einer unheiligen Allianz.
Jedermann kann sehen, dass die unkontrollierte Zuwanderung in die Schweiz so nicht weitergehen kann, denn diese Entwicklung wird sonst perpetuiert: die heutigen arbeitstätigen Einwanderer besetzen Stellen, was kurzfristig den Arbeitsmarkt und die Sozialsysteme entlastet. Aber eine Generation später erreichen sie das Pensionsalter und werden z. B. pflegebedürftig. Also braucht es erneut Einwanderer, um diesen Zusatzbedarf zu decken. Vielleicht sogar in steigender Zahl je nach Demographie. Ein Schneeballsystem. Belastend kommen nicht arbeitende Einwanderer hinzu.
Schon heute kommen durch das Bevölkerungswachstum die Bahnen, die Strassen, die Schulen, das Gesundheitswesen, die Siedlungen usw. an Grenzen. Alles muss forciert ausgebaut werden. Wer zahlt die Investitionen und dann deren Unterhalt?
Wir haben es uns bequem eingerichtet in der wohlstandsverwöhnten Schweiz. Statt über die bauchlastige Alterspyramide zu lamentieren, müssen wir nachdenken über das nicht mehr haltbare Rentenalter, über die selbstgewählte Teilzeitarbeit und über anderen Komfort. Leider ist von den Politikern, die wiedergewählt werden wollen, öffentlich nichts zu erwarten.
Die Nachhaltigkeits-Initiative ist eine Folge der wiederholten Nichtbeachtung des Volkswillens der Politik in Sachen Immigration. Wir haben nun die Wahl: den Wildwuchs zu stoppen oder nichts zu tun.
Trotz grosser internationalen und nationalen Herausforderungen kommt der Autor zum Schluss: «Für mich ist das [2 x nein] ein Ja zu Verantwortung, zu Handlungsfähigkeit und zu Lösungen, die im Alltag wirklich tragen».
Substanz anstelle dieser Worthülsen bleibt er schuldig.

Sehr gut Herr Baldinger und Danke für Ihre Replik mit Substanz.
Roland Baldinger bringt eine klare Gegenposition ein. Das gehört zu einer offenen politischen Diskussion dazu.
Bei Sicherheit, Infrastruktur und Bevölkerungswachstum gibt es reale Spannungen und unterschiedliche politische Antworten.
Mein Punkt bleibt: Sicherheit bedeutet für mich nicht nur Härte, sondern auch Handlungsfähigkeit, stabile Institutionen und Lösungen, die im Alltag langfristig tragen.
Darüber darf man in Fällanden ruhig und respektvoll unterschiedlicher Meinung sein.
Mein vollständiger Beitrag:
https://mariosolis.ch/mitteilungen/sicherheit-ernst-nehmen-abstimmung-14-juni-2026
Lieber Roland, eine Änderung des Zivildienstgesetzes wird vermutlich eher dazu führen, dass noch mehr versuchen werden den Blauen weg zu gehen und sich mittels ärztlichen Zeugnissen Militärdienstuntauglich schreiben zu lassen. Diese fehlen dann im mitlerweile gut etablierten und ebenfalls nützlichen Zivildienst. Die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht wäre vermutlich sinnvoller gewesen um den Personalbestand der Armee längerfristig zu sichern, aber auch den wachsenden Bedarf an Zivildienstleistenden zu decken, was die Stimmbevölkerung aber erst kürzlich abgelehnt hat.
Eine hervorragende Replik! Hier noch einige Zahlen dazu:
Zwischen 2022 und 2025 erfolgte schweizweit eine erweiterte Brutto-Zuwanderung von Ø 215’000 – 224’000 Personen pro Jahr (inkl. Schutzstatus-S-Bewilligungen und Asylgesuchen). Der Brutto/Netto-Anteil im Asylwesen liegt bereits bei rund 20%. Allein der Kanton Zürich nimmt heute jährlich rund 45’000 Personen aus dem Ausland auf. Das ist keine Steuerung mehr – das ist Kontrollverlust! Weniger als die Hälfte kommt zum Arbeiten, falls überhaupt. Auf erweiterter Basis von 224’000 Personen kommen nur 33 – 44% der Einwanderer für eine Erwerbstätigkeit in die Schweiz. Der Durchschnitt 2023 – 2025 liegt bei 43%(!).
Die Berufsstruktur widerlegt zudem das «Fachkräfte»-Narrativ (VD ZH, Mai 2025): Die fünf häufigsten Berufe der zugewanderten Erwerbstätigen im Kanton Zürich: Softwareentwickler (11%), Reinigungsangestellte (4%), Kellner (4%), Finanzfachkräfte (4%), Unternehmensberater (3%). Kein einziger dieser Berufe gilt gemäss Adecco/SMM Fachkräftemangel-Index 2025 als Mangelberuf.
Gesundheit und Pflege machen nur 3.6% der Gesamtzuwanderung aus. Davon sind Ärzte ∼1% und Pflegefachkräfte ∼0.5% der Gesamtzuwanderung. Übrige Gesundheitsberufe (Physios, Labortechniker, Verwaltung) machen die restlichen rund 2.1% aus. Gesundheit und Pflege rechtfertigen die Zuwanderung in heutigem Umfang nicht. Zudem werden jährlich von rund 1’000 ausländischen Ärzten allein 500 davon für die jährliche Nettozuwanderung von rund 100’000(!) benötigt – die Perpetuierung einer dysfunktionalen Migration schlechthin!
Bei den jährlichen Neueintritten im Pflegebereich spielen Grenzgänger eine grössere Rolle als eigentliche Einwanderung. Neben den Ø 1’100 eingewanderten Pfegefachkräften kommen jährlich Ø 1’865 Pflegefachkräfte als Grenzgänger (Ausweis G) – fast doppelt so viele; dies relativiert das Argument, Einwanderung sei der primäre Hebel zur Deckung des Pfegemangels. Insbesondere bei rund 13’000 Arbeitslosen in der Pflege, Tendenz stark steigend, vergleichbare Arbeitslosenzahlen im Gastrobereich bei gleichzeitig jährlicher Zuwanderung bei beiden Sektoren in dieser Grössenordnung!
Die Daten sprechen eine klare Sprache: Die Schweiz verzeichnet eine Zuwanderung in einem Umfang, der weit über den belegbaren Bedarf an Fachkräften hinausgeht. Nur rund 1 Person von 10 Einwanderern trägt zur Deckung eines anerkannten Fachkräftemangels bei – die anderen 9 von 10 tragen nicht zur Deckung des Fachkräftemangels bei, verursachen aber zusätzlichen Bedarf an Infrastruktur, Wohnraum und öffentlichen Leistungen. Eine wirksame Steuerung der Zuwanderung ist überfällig. Die Schweiz wächst 16-mal schneller als Deutschland. Was dort abgeht aufgrund einer desaströsen Wirtschafts- und Wohlstandsvernichtung, mit einer verfehlten, dogmatischen Sozial- und Klimapolitik der «Grünen», das wollen wir in der Schweiz sicher nicht!
Es gibt keine moralische Pflicht, eine Zuwanderung mitsamt Familiennachzug ohne Vorleistung ins CH-Sozialsystem unbegrenzt aufzunehmen. Migration wird so zum Geschäftsmodell eines sozialistischen Versorgungsstaates, dessen Funktionäre und wenigen Wirtschafts-Profiteure sich auf Kosten der Allgemeinheit als Gutmenschen aufspielen. Das kann die Schweiz, mit bisher sehr schöner Landschaft und einer begrenzten Infrastruktur, einfach nicht weiter derart leisten. Was uns zusätzlich mit dem EU-Rahmen- resp. Unterwerfungsabkommen – fälschlicherweise und verharmlosend als Bilaterale III bezeichnet – blüht, würde innert kürzester Zeit unseren heutigen Wohlstand, unser föderalistisch- und direktdemokratisches Staatssystem sowie unsere bisherige Sicherheit vollständig vernichten, den Missbrauch unserer Sozialwerke weiter befeuern, die Krankenkassenprämien ins Uferlose ansteigen lassen, das Bildungs-System vollends zerstören, wo bereits heute bald jedem Kind u. a. ein Beistand auf Staatskosten zur Seite gestellt werden muss und es würde das Mass an verkraftbarer Integration, Infrastruktur und Siedlungsplanung völlig sprengen! Die Auslastung unserer Gefängnisse liegt bereits bei über 97% und 72.5% davon sind Ausländer inkl. Asylkriminalität, resp. «Wirtschaftsflüchtlingen». Eine wirksame Steuerung an qualitativ produktiver(!) Zuwanderung im Interesse unseres Landes ist legitim und überfällig.
(Alle genannten Zahlen basieren auf amtlichen Schweizer Quellen)
Deshalb am 14. Juni 2026: JA – zur Nachhaltigkeits-Initiative – «keine 10-Million-Schweiz»
Für mich führen beide Vorlagen zur gleichen Grundfrage:
Wird die Schweiz dadurch insgesamt handlungsfähiger?
Wenn wir Zuwanderung stärker begrenzen und gleichzeitig den Zugang zum Zivildienst weiter einschränken, muss klar sein, wie die Schweiz Pflege, Schulen, Infrastruktur, Energie, Cyber, Zivilschutz, Armee und Gemeinden konkret stärkt.
Eine Begrenzung allein ist noch kein Plan.
Meine Frage ist deshalb konkret:
Wie sorgt die 10-Millionen-Initiative dafür, dass die Schweiz weiterhin jene qualifizierten Arbeitskräfte gewinnen kann, die wir für Sicherheit, Versorgung und Infrastruktur brauchen?
Und wie unterscheidet ein Bevölkerungsdeckel zwischen Zuwanderung, die unsere Systeme belastet, und Zuwanderung, die Pflege, Schulen, Bau, Energie, IT, Cyber und Zivilschutz stärkt?
Ich verstehe das Bedürfnis nach Steuerung. Aber Steuerung muss mehr leisten als Begrenzung.
Ohne diese Antwort sehe ich einen Deckel, aber noch keinen Plan für robuste und lernfähige Strukturen.
Für viele (Bundes-) Politiker:
«Meh lifere anstatt lafere, verspräche und d’Auge zuhebe»