vom KAW-Komitee Ausgliederung Werke (Fällanden)
Die Rechnungsprüfungskommission RPK Fällanden besteht aus fünf Mitgliedern: 2 SVP, 2 SP, 1 Mittepartei. SVP und Mitte lehnen die Ausgliederung ab, die SP hat Stimmfreigabe beschlossen. GLP und FDP befürworten die Ausgliederung, sind aber in der RPK nicht vertreten. Obwohl zwei Mitglieder der RPK über Finanzwissen verfügen und im Abschied der Rechnungsprüfungskommission die Vorteile und Chancen einer Ausgliederung gewürdigt und erkannt werden, lehnt die RPK als Gremium die Ausgliederung wegen zusätzlichen finanziellen und unternehmerischen Risiken ab, ohne diese Risiken qualitativ und quantitativ zu beschreiben. Es fehlt auch eine Einschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit und des Schadenpotentials der genannten Risiken. Ein gutes Beispiel für eine professionelle Analyse ist die der Gemeinde Köniz/BE (Verselbständigung GBET Köniz, 2021)
Weil die zu gründende «Werke Fällanden AG» von einem professionellen Verwaltungsrat unter Aufsicht des Gemeinderats geführt wird, sollen die unternehmerischen Risiken höher sein? Das Gegenteil wird eintreffen: Chancen werden schnell genutzt und unnötige Risken vermieden. Es wird im RPK-Bericht auf höhere Kosten hingewiesen, weil spezifisches Fachwissen extern eingekauft werden müsse. In der Jahresrechnung der Gemeinde Fällanden sind heute schon hohe Kosten für externe Beratung verbucht. Dann wird auf Personalabgänge und damit auf die temporären Kosten für «Springer» verwiesen. Die Personalfluktuation wird sinken, wenn privatwirtschaftliche Arbeitsbedingungen herrschen. Wie allgemein bekannt, befürworten die Werkkommission und die Mitarbeitenden der Gemeindewerke die Ausgliederung. Im Bericht wird auch auf höhere Schnittstellenkosten hingewiesen ohne diese zu definieren und zu begründen. Am Schluss wird noch das Angstargument höhere Tarife für Energie, Wärme, Wasser, Abwasser und Abfall genannt, obwohl Abwasser und Abfall bei der Gemeinde verbleiben. Am Schluss noch eine Empfehlung der RPK: Ein Anschluss an eine bereits bestehende gemeindeübergreifende Aktiengesellschaft sei vorteilhafter. Wenig realistisch ist diese Idee und dann wäre jeglicher Einfluss auf die Gemeindewerke Fällanden weg. Da hätte man die Werke gleich verkaufen können. Die Analyse der RPK Fällanden könnte tiefer gehen, was allerdings mit viel mehr Stundenaufwand verbunden wäre; keine leichte Aufgabe für eine RPK. Die neu gewählte RPK ab 1. Juli 2026 wird in Zukunft hoffentlich strukturierter arbeiten können, aber auch das braucht Zeit und die muss man der neuen RPK auch geben können. Die Ausgliederung der Gemeindewerke in eine Aktiengesellschaft ist und bleibt trotz aller Kritik eine notwendige Professionalisierung der Energie-, Wärme- und Wasserversorgung im Interesse aller Einwohner/-innen und Gewerbetreibenden in unserer Gemeinde.

Wie bei den meisten Abstimmungsvorlagen gibt es sowohl Argumente welche für als auch gegen das Anliegen sprechen. Die RPK hat sich durchaus in der ihr zur Verfügung stehenden Vernehmlassungszeit intensiv mit den verschiedenen Aspekten der Teilausgliederung der Gemeindewerke befasst und eine sorgfältige Abwägung der Vor- und Nachteile vorgenommen, insbesondere hinsichtlich den allfälligen Kostenfolgen für die Gemeinde, als auch für die Einwohner. Die RPK kam dabei übrigens zu sehr ähnlichen Schlussfolgerung wie auch einzelne Mitglieder der FDP. Gerne verweise ich diesbezüglich auf den Beitrag des erfolgreichen Unternehmers Christoph Domeisen:
https://inside-faellanden.ch/2026/05/16/ausgliederung-der-gemeindewerke/
Mit dem Verweis auf den Kurzbericht vom 20. Januar 2021 zur Verselbständigung der Gemeindebetreibe Köniz, BE, wird die RPK-Fällanden zu ihrem Abschied gegen eine Ausgliederung der Gemeindewerke Fällanden kritisiert. Autoren des zum Vergleich beigezogenen Kurzberichtes sind aber der ehemalige Abteilungsleiter der Gemeindebetriebe, Christian Flühmann, direkt dem zuständigen Gemeinderat der Direktion Umwelt und Betriebe unterstellt, sowie ein extern beauftragtes Consulting durch die bolz+partner AG. Ein solch differenziert dargestellter Bericht wäre demnach vergleichsweise einzig in der Pflicht vom zuständigen Gemeinderat und Werkvorsteher von Fällanden und nicht der RPK gelegen. Eine Rechnungsprüfungskommission ist, als vom Stimmvolk direkt gewählte Behörde, mit ihrer Einschätzung einzig den Bürgerinnen und Bürgern und nicht dem Gemeinderat verpflichtet. Die Analyse und Einschätzung der RPK-Fällanden kann demnach aber nur so weit gehen, wie sie auch mit Unterlagen fundiert (oder eben nicht) vom Gemeinderat bestückt wird. Ein interkommunaler Zusammenschluss (IKZ) mit Werksbetrieben umliegender Gemeinden im Glattal, wie von der RPK in ihrem Abschied als vorteilhafter erachtet, ermöglicht dank strategischer Zusammenarbeit eine nachhaltige Wirtschaftlichkeit, anstelle Hochrisiko behafteter Alleingänge. (Link: https://inside-faellanden.ch/2026/06/04/nach-der-werbeveranstaltung-ist-klar-nein-zur-auslagerung-der-werke/)
Die Gemeinde Köniz wird hier als gutes Beispiel genannt (obwohl die Gemeinde nur schon aufgrund der Grösse nur schwierig vergleichbar ist). Eine kurze Recherche zeigt:
Köniz hat die Ausgliederung geplant, den Prozess gestartet – und dabei die eigene Abteilung so destabilisiert, dass man das Vorhaben aufgeben musste und fast eine Viertelmillion Franken für einen externen Krisenmanager ausgeben musste. Das ist kein Positivbeispiel – das ist vielmehr eine Warnung.
Wenn man ein funktionierendes Modell sucht, ist die Werke am Zürichsee AG (WAZ) relevanter. Aber auch dort ist das Modell komplexer als eine einfache Ausgliederung:
Die drei Gemeinden Zollikon, Küsnacht, Erlenbach haben ihre Werke interkommunal zusammengelegt, nicht einfach ausgelagert. Die Infrastruktur bleibt im kommunalen Eigentum und die AG ist operative Betriebsgesellschaft, jedoch nicht Eigentümerin. Das Modell hat sich seit 2009 bewährt und Synergien im Betrieb der Werke im Gemeindeverbund können genutzt werden.
Das Beispiel der Risikoanalyse Köniz hat die Qualität dieser Analyse zum Thema und nicht ob oder wie etwas umgesetzt wurde oder nicht. Wenn man diese Arbeit scheut, sollte man nicht Vermutungen und Angst verbreiten mit dem Ziel den Souverän zu verunsichern. Auch die systematische Verbreitung von Halbwahrheiten und Vermutungen ist unfair. Der Feedback nach der Plenumsdiskussion ist positiv. Die konzeptionelle Arbeit und das Vorgehen des Gemeinderats hat einige Zweifler überzeugt. Trotz Desinformationen aus rechten Kreisen sind wir zuversichtlich im Hinblick auf den Urnengang vom 14. Juni.
Für mich hat das Podium vor allem gezeigt, dass die eigentliche Frage nicht «AG oder nicht AG» ist, sondern welche Struktur unseren Gemeindewerken langfristig genügend Handlungsfähigkeit bei gleichzeitig klarer öffentlicher Verantwortung gibt.
Die Bedenken der RPK und die Fragen zu Kosten, Risiken und Kontrolle nehme ich ernst. Gerade deshalb bleiben für mich eine klare Eigentümerstrategie, transparente Berichterstattung, ein fachlich kompetenter Verwaltungsrat, nachvollziehbare Finanz- und Investitionsplanung sowie die demokratische Kontrolle zentral.
Nach dem Austausch am Podium überwiegen für mich die Vorteile der Vorlage.
Darum stimme ich JA.