Die «Werbeveranstaltung» für die Neugründung Werke Fällanden AG vom Dienstag, 2. Juni wurde augenfällig von relativ wenigen Interessierten besucht. Auch konnten einige Gemeinderatsmitglieder diesen Anlass nicht besuchen. Dies, obgleich der Gemeinderat dieses Vorhaben mit Berichten, Plakaten und auf Medienplattformen stark unterstützt, bewirbt und auf eine erfolgreiche Abstimmung zählt.
Im Nachgang zu dieser Informationsveranstaltung, zu Aussagen von – den professionell – auftretenden Podiumsgästen und weiteren Anwesenden (sowohl Unterstützern als auch Kritikern), dem kürzlich in den Medien kolportierten Bundesgerichtsfall rund um die Wärme Frauenfeld AG («Wärmering-Affäre»), den pendenten Finanz- und Rechtsungereimtheit bei Armasuisse, GZO AG, USZ, Genossenschaft Quartierladen Pfaffhausen usw. musste ich mir eingestehen;
dass aus meiner Sicht:
- Das oft zitierte Bedürfnis der Einwohnenden von Fällanden nach einer Werke Fällanden AG doch nicht derart gross ist (oder sind die Meinungen so verbindlich gemacht, so dass man nicht mehr weiter darüber diskutieren und sich austauschen muss). Weshalb wird dennoch so viel Werbung für diese Abstimmung betrieben?
- Die Werke gut und erfolgreich funktionieren. So besteht aktuell keinen Bedarf für eine aufwändige Auslagerung resp. für die Gründung der Werke Fällanden AG. Ich stelle mir die x Arbeitsstunden des Gemeinderates, der Verwaltung, der beauftragten internen und externen Experten vor und denke an die Gelder für die Werbekampagne von Gemeinderat und Bejahern, die bis anhin in dieses Vorhaben investiert worden sind. Dies, obgleich die Gemeinde Fällanden über eine solide und verlässliche Werksorganisation verfügt. Selbstverständlich müssen die Verantwortlichen der Werke und der Gemeinderat immer wieder die Legislatur Ziele und Strategien im direkten Zusammenhang mit den sich rasch, kurz- und mittelfristig ändernden Markt- und Umweltentwicklungen konsequent überprüfen, hinterfragen und an den entsprechenden Stellschrauben drehen und die Fachkompetenz bei den Mitarbeitenden weiterhin fördern und auch einfordern. Wenn die grundsätzlichen Energiebeschaffungskosten ansteigen sollten, dann trifft dies sowohl die gemeindeeigenen Werke als auch die Werke Fällanden AG also direkt den einzelnen Konsumenten. Möglicherweise dürften die Tarife und Deckungsbeiträgen bei der Werke Fällanden AG stärker steigen als bei den Werken der Gemeinde. Vielleicht wären Kooperationen mit anderen Gemeinden (Zusammenschlüsse von Werken) eine gute Möglichkeit, um von Kostenvorteilen und Skaleneffekten mehrfach zu profitieren (Fachkräfte, Know-how Transfer, Kaufkraftbündelung etc.) – dies mit wesentlich kleineren (aber auch nicht ganz auszuschliessenden) Risiken.
- Die finanziellen und wirtschaftlichen Vorteile durch die Inhouse-Werke für die Gemeinde grösser und weniger risikoreich sind als bei einer zu gründenden Werke Fällanden AG. Dabei erachte ich die Gründungskosten und -aufwendungen als nicht unerheblich, aber finanziell verkraftbar. Wie sieht es aber im Falle von Fehlentscheidungen durch den Verwaltungsrat und / oder durch die Geschäftsführung dieser eigenständigen AG aus? Wer trägt die Unternehmer- resp. Finanz- und Konkursrisiken der zu 100 % der Gemeinde gehörenden AG? Der Steuerzahler?
- Bei einem finanziellen Schadenfall der gemeindeeigene Verwaltungsrat auf seine machtlose Beobachterrolle und das Kollegialprinzip verweist und dann auf die vier übrigen professionellen Verwaltungsräte zeigt. Der Verwaltungsrat sich auf die Geschäftsführung bezieht (er ist ja nicht für das Tagesgeschäft verantwortlich); diese wiederum weist auf die ungünstige Markt- und Wirtschaftslage, die vorgegebene Strategie der Hauptaktionärin (Gemeinde) und fehlende oder eingeschränkte Kompetenzen oder ungenügendes Fachpersonal resp. auf die nächsttiefere Kaderstufe hin. Die Verantwortung wird so lange hin und her geschoben und verteilt bis sich niemand mehr für die getroffenen und umgesetzten Entscheidungen zuständig fühlt und auch nicht mehr für ein allfälliges Desaster zur Rechenschaft gezogen werden kann.
- Swissair oder ähnliche Fälle zu Rate gezogen werden und als abschreckende Beispiele dienen könnten. Wobei Werke Fällanden AG wohl nie die Grösse einer Luftfahrtgesellschaft, einer internationale Universalbank, einer Spitalgruppe usw. erreichen dürfte. Auch eine KMU-AG nicht vor kostspieligen «Hunter»-Strategien gefeit ist. Ist es immer noch von Gutem, wenn der Souverän bei Entscheidungen von grösserer Tragweite mitreden kann und diese Möglichkeit auch aktiv nutzt.
- Es sich nicht lohnt, eine neue Werksorganisation aufzubauen mit zusätzlichen Schnittstellen, zu erwartenden höheren Personalkosten, zusätzlichen Verwaltungs- und Administrationsaufwänden (u.a. Versicherungsprämien, Standortkosten, Anschubfinanzierung) höhere Darlehenszinskosten für die anstehenden Investitionen (prima vista würde die neue AG die Darlehensnehmerin sein und nicht mehr die Gemeinde – ausser die Gemeinde würde an deren Stelle den Kapitalmarkt direkt angehen und damit den Investitionsbedarf der AG vorfinanzieren oder ähnliche Fazilitäten Modelle nutzen) – dies bei höherem und vielfältigem Risikopotential für die Gemeinde resp. die Steuerzahlenden.
- Die Eintretenswahrscheinlichkeit eines finanziellen Fiaskos der Werke Fällanden AG und das latente Schadenspotential schwierig zu quantifizieren und abzuschätzen aber auch nicht zu verniedlichen ist.
- Sich weder der Gemeinderat, die Teilhaber der Genossenschaft Quartierladen Pfaffhausen noch die Pfaffhauser vorstellen konnten, dass nach nicht einmal ganz vier Jahren über die Genossenschaft der Konkurs verhängt wird und dass sehr wahrscheinlich nebst anderen Gläubigern auch die Gemeinde selber resp. indirekt die Steuerzahler zu Schaden kommen werden.
Bei beiden Geschäftsfällen (Genossenschaft Quartierladen Pfaffhausen und Werke Fällanden AG) hat die RPK rechtzeitig den Mahnfinger erhoben. Hoffentlich im Falle der Werke Fällanden AG nicht schon wieder vergeblich. Im entsprechenden Abschied der RPK wird eine begründete Ablehnung empfohlen.
Erst heute und Dank Inside Fällanden und der heutigen Ausgabe des Glattalers wurde ich gewahr, dass die lokale SP-Partei keine Wahlempfehlung resp. Stimmfreigabe mitgeteilt hat.
Die FDP und die GLP empfehlen mit gemeinsamen Wahlplakaten die Annahme der Ausgliederung. Trotzdem macht die Partei der Liberalen im heutigen Glattaler keine Angaben zu ihren Abstimmungsparolen.

Sind sich die beiden respektablen Parteien intern nicht einig, wen oder was sie unterstützen möchten oder sollen. Stellt sich die SP gegen den Präsidenten der RPK (Mitglied der SP Fällanden) und zögert die FDP ihrem Gemeinderatspräsidenten zu folgen? Vielleicht sind sich die Mitglieder der genannten Lokalparteien doch (noch) nicht sicher, ob eine Auslagerung der Werke wirklich der Weisheit letzter Schluss ist und ob sich die versprochene Wirtschaftlichkeit wirklich auszahlen wird?
Wie auch immer, es sind nicht nur Einzelne die Verantwortung tragen; auch Politik, Verwaltung und wir Abstimmende sind gefordert. Deshalb ist es wichtig, dass wir alle uns bis am 14. Juni eine Meinung darüber bilden; an der Urne diese kundtun und der Gemeinde nicht noch mehr schlecht abschätzbare Risiken, Büroarbeit und Kosten aufhalsen und zumuten.
