Zur Auslagerung der Werke Fällanden

Die Diskussion um die Auslagerung der Gemeindewerke Fällanden in eine Aktiengesellschaft zeigt exemplarisch, wie anspruchsvoll es für Stimmbürgerinnen und Stimmbürger geworden ist, sich eine fundierte und ausgewogene Meinung zu bilden. Je intensiver ich mich mit der Vorlage auseinandersetze, desto stärker entsteht bei mir der Eindruck, dass die Debatte weniger von sachlichen Argumenten als vielmehr von Emotionen und persönlichen Befindlichkeiten geprägt wird.

So wurden wiederholt Vorwürfe hinsichtlich einer mangelnden Neutralität der Redaktion von «Inside Fällanden» erhoben, die sich bei näherer Betrachtung teilweise als Fehlinterpretationen erwiesen. Gleichzeitig treten Komitees auf, die mitunter nur aus einer einzigen Person bestehen und dennoch den Anspruch erheben, im Interesse des Gemeinwohls zu argumentieren. Befürworter und Gegner werfen sich gegenseitig Unsachlichkeit oder gar persönliche Angriffe vor. Wer die Diskussion aufmerksam verfolgt, erkennt jedoch rasch, dass solche Verhaltensweisen keineswegs auf eine Seite beschränkt sind.

Hinzu kommt die Komplexität der Vorlage selbst. Bereits die Beurteilung der Strompreise gestaltet sich schwierig. Diese setzen sich aus zahlreichen Komponenten zusammen, darunter Energiepreise für Sommer und Winter, Grundgebühren, Systemdienstleistungen von Swissgrid, Netzzuschläge, Bundesreserven sowie weitere solidarisch finanzierte Abgaben. Werden Strompreise verschiedener Gemeinden miteinander verglichen, besteht die Gefahr, dass unterschiedliche Berechnungsgrundlagen herangezogen werden und damit sprichwörtlich Äpfel mit Birnen verglichen werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich in einer emotional geführten Debatte einzelne Akteure auch politisch profilieren möchten. Für die Stimmberechtigten wird es dadurch nicht einfacher, die tatsächlichen Vor- und Nachteile der Vorlage zu erkennen und gegeneinander abzuwägen.

Da die Materie sowohl wirtschaftlich als auch technisch anspruchsvoll ist, muss ich mich bei meiner Meinungsbildung unter anderem auf die Einschätzungen erfahrener Wirtschaftsvertreter stützen. Dazu zählt beispielsweise Christof Domeisen, der seine Sichtweise am 16. Mai 2026 auf «Inside Fällanden» veröffentlicht hat. Persönlichkeiten mit unternehmerischer Verantwortung verfügen oft über einen langfristigen Blick auf Chancen und Risiken, der in politischen Diskussionen bisweilen zu kurz kommt.

Nach sorgfältiger Abwägung der mir bekannten Argumente überzeugt mich die Vorlage nicht. Aus meiner Sicht überwiegen die offenen Fragen gegenüber den in Aussicht gestellten Vorteilen. Stattdessen erscheint mir eine vertiefte Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden, wie von Christof Domeisen vorgeschlagen, der zielführendere Weg. Deshalb werde ich bei dieser Vorlage ein Nein in die Urne legen.

6 Antworten auf „Zur Auslagerung der Werke Fällanden“

  1. Danke für den sachlichen Beitrag.
    Ich teile die Einschätzung, dass die Vorlage komplex ist und dass man unterschiedliche Schlüsse respektieren sollte. Gerade deshalb war für mich das Podium hilfreich.
    Ich nehme auch den Punkt ernst, dass unsere Werke heute funktionieren. Für mich folgt daraus die Frage, welche Struktur Strom, Wasser und Wärme auch in den kommenden Jahren verlässlich sichern kann.
    Nach dem Podium überwiegen für mich die Vorteile der Vorlage.
    Am Ende entscheidet die Bevölkerung. Wichtig ist, dass die Diskussion sachlich und respektvoll bleibt.

  2. Replik auf den Artikel von Herrn Christof Domeisen (https://inside-faellanden.ch/2026/05/16/ausgliederung-der-gemeindewerke/)

    Herr Domeisen bringt in seinem Artikel Bedenken gegen die Ausgliederung der Gemeindewerke Fällanden vor, die auf den ersten Blick plausibel wirken. Bei näherer Betrachtung halten seine Argumente einer sachlichen Überprüfung jedoch nicht stand.

    Das Beispiel Rüti: Ein Beweis für das Gegenteil
    Herr Domeisen zitiert Rüti als mahnendes Beispiel, wo die Ausgliederung «abgebrochen» werden musste. Das ist faktisch falsch und verfälscht das Bild entscheidend. Der Gemeinderat Rüti hat die Abstimmung abgesagt, weil die Vorlage zwei wesentliche formale Mängel aufwies — insbesondere war die finanzielle Liquidität der zu gründenden Aktiengesellschaft in den Abstimmungsunterlagen zu unpräzise festgehalten. Es handelte sich um einen prozeduralen Fehler in der Ausarbeitung der Unterlagen, nicht um ein inhaltliches Scheitern der Idee selbst. Inhaltlicher Kernpunkt der Vorlage war und bleibt die Anpassung der Rechtsform — und die Gemeindewerke würden auch nach der Umwandlung vollständig der Gemeinde gehören. (Quelle: https://www.nau.ch/ort/rapperswil-jona/wegen-mangel-ruti-zh-sagt-abstimmung-uber-gemeindewerke-ab-66754384)
    Rüti hat die Ausgliederung nicht aufgegeben, weil sie falsch wäre — sondern weil die Vorlage handwerklich ungenügend vorbereitet war. Das ist ein Argument für sorgfältige Vorbereitung, nicht gegen die Ausgliederung als solche. Fällanden hat diesen Weg mit der nötigen Gründlichkeit beschritten. Die Situation ist schlicht nicht vergleichbar.

    Keine Privatisierung, volle Eigentümerkontrolle
    Herr Domeisen warnt davor, dass die Gemeinde als Eigentümerin ihre Interessen nicht mehr durchsetzen könne und Investitionen verzögert würden. Dieses Argument verkennt die rechtliche Realität. Die Werke Fällanden AG soll zu 100 Prozent im Besitz der Gemeinde bleiben — die Werke werden also weder verkauft noch privatisiert, und die Tarifgestaltung für Kundinnen und Kunden bleibt unverändert. Die Gemeinde bestimmt weiterhin die Zusammensetzung des Verwaltungsrats und legt die strategischen Leitplanken in der Eignerstrategie fest. Wer als Alleinaktionärin auftritt, verliert keine Kontrolle — sie gewinnt eine klarere Steuerungsstruktur.

    Das Argument, rechtlich vorgeschriebene Leistungen könnten nicht mehr fristgerecht erbracht werden, entbehrt jeder Grundlage. Die AG-Form ändert nichts an den gesetzlichen Versorgungspflichten; diese sind im öffentlichen Recht verankert und bleiben vollumfänglich gültig. Im Gegenteil: In der Struktur einer Aktiengesellschaft sind Gemeindewerke für zukünftige Markt- und Gesetzesentwicklungen, die Erfüllung der Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden sowie die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit besser vorbereitet, als wenn sie unselbständige Gemeindebetriebe blieben.

    Verwaltungskosten: Mehr Transparenz, nicht mehr Bürokratie
    Herr Domeisen behauptet, die Ausgliederung erzeuge zusätzliche Struktur- und Verwaltungskosten. Was er verschweigt: Als gemeindeinterner Betrieb sind die Gemeindewerke heute auf zahlreiche Gemeindestrukturen angewiesen — von der Gemeindekanzlei über die Finanzabteilung bis hin zur politischen Genehmigungspflicht für betriebliche Entscheide. Diese Kosten sind vorhanden, aber versteckt und werden der Allgemeinheit nicht transparent ausgewiesen. Die AG-Struktur schafft hier Klarheit: Kosten werden sichtbar, Leistungen werden messbar, und der Verwaltungsrat trägt die Verantwortung für eine effiziente Betriebsführung.

    Das Personal: Kontinuität statt Unsicherheit
    Herr Domeisen stellt die Überführung der Mitarbeitenden als kostspielig und nachteilig dar. Andere Gemeinden haben diesen Schritt erfolgreich vollzogen. Bei der Ausgliederung in Villmergen wurde für das Personal eine zweijährige Besitzstandgarantie bei den Gehältern vorgesehen, ohne dass ein Rückgang des Lohnniveaus erwartet wurde — schliesslich sind Fachkräfte in dieser Branche rar und müssen auf dem freien Arbeitsmarkt rekrutiert werden. Die AG-Struktur verbessert sogar die Attraktivität als Arbeitgeber, weil sie mehr unternehmerische Handlungsfreiheit, klarere Karriereperspektiven und eine professionellere Personalstrategie ermöglicht. (Quelle: https://www.aargauerzeitung.ch/aargau/freiamt/gemeindewerke-werden-zu-einer-aktiengesellschaft-ld.1686659)

    Interkommunale Kooperationen: Kein Widerspruch zur Ausgliederung
    Herr Domeisen empfiehlt stattdessen eine Zusammenführung der Werke über Gemeindegrenzen hinweg. Das ist ein berechtigter Gedanke — doch er ist kein Gegenmodell zur Ausgliederung, sondern deren logische Ergänzung. Eine verselbständigte Aktiengesellschaft ist für interkommunale Partnerschaften und Kooperationen besser geeignet als eine unselbständige Gemeindeabteilung. Der Beitritt zu einem Zweckverband oder einer gemeinsamen Betriebsgesellschaft lässt sich einfacher und rechtlich sauberer mit einer AG vollziehen als mit einem eingebetteten Gemeinwerksbetrieb. Wer also Skaleneffekte anstrebt, sollte die Ausgliederung befürworten — nicht bekämpfen.

    Eine Schlussbemerkung
    Herr Domeisen führt ein mittelständisches Industrieunternehmen in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft und weiss aus eigener Erfahrung, welche unternehmerischen Vorteile diese Struktur bietet: klare Verantwortlichkeiten, professionelle Führung, strategische Handlungsfähigkeit. Es wäre konsequent, dieselben Massstäbe auch an die Versorgungswerke der eigenen Gemeinde anzulegen. Die Ausgliederung der Gemeindewerke Fällanden ist kein riskantes Experiment — sie ist ein zeitgemässer, rechtlich sorgfältig vorbereiteter Schritt, den zahlreiche Gemeinden im Kanton Zürich und in der gesamten Schweiz erfolgreich vollzogen haben.

    Am 14. Juni empfehlen wir deshalb ein klares Ja zur Werke Fällanden AG.

  3. Entgegnung auf den Artikel von Rico Hauser Zur Abstimmung vom 14. Juni 2026 über die Werke Fällanden AG

    Herr Hauser gibt vor, die Debatte versachlichen zu wollen. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Sein Artikel ist selbst ein Musterbeispiel des Problems, das er beschreibt.

    Beide Seiten über denselben Kamm — eine falsche Gleichsetzung
    Herr Hauser zeichnet das Bild einer Debatte, in der beide Seiten gleichermassen emotional und unsachlich agieren. Diese Darstellung ist bequem, aber unredlich. Es ist ein Unterschied, ob ein Komitee sachlich für eine Vorlage wirbt, oder ob eine Plattform Beschimpfungen und Beleidigungen gegen Andersdenkende duldet — bis diese im April dieses Jahres massenweise gelöscht werden mussten, weil sie schlicht nicht publizierbar waren. Diese Entgleisung ging nicht vom Befürworterkomitee aus.

    Zur Anonymität des Komitees
    Herr Hauser suggeriert, die Nichtnennung der Komiteemitglieder sei ein Zeichen mangelnder Transparenz oder Glaubwürdigkeit. Die Antwort ist einfach: Wer erlebt hat, wie Personen auf der Plattform «Inside Fällanden» namentlich angegriffen, beleidigt und diskreditiert werden, versteht den Entscheid zur Zurückhaltung vollkommen. Es ist das Versagen des lokalen Diskursklimas, nicht ein Versagen des Komitees. Wer dieses Klima mitverantwortet oder schweigend duldet, sollte nicht gleichzeitig Transparenz von anderen einfordern.

    Die SVP: Prinzipieller Widerstand statt sachlicher Analyse
    Herr Hauser ist Mitglied der SVP – einer Partei, die sich als Grundsatz zu eigen gemacht hat, Vorlagen des Gemeinderates grundsätzlich abzulehnen. Dieses Muster ist in Fällanden hinlänglich bekannt. Eine Partei, die unabhängig vom Inhalt gegen alles stimmt, was der Gemeinderat vorschlägt, liefert keine politische Analyse — sie betreibt reflexartigen Widerstand. Das schwächt die Glaubwürdigkeit ihrer Argumente erheblich.

    «Offene Fragen» als Scheinargument
    Herr Hauser lehnt die Vorlage ab, weil ihn die «offenen Fragen» nicht überzeugen. Doch er nennt keine einzige konkrete. Stattdessen verweist er auf die Komplexität der Strompreise — ein Thema, das mit der Frage der Rechtsform der Gemeindewerke kaum etwas zu tun hat. Tarife werden durch das regulatorische Umfeld bzw. die Marktpreise für Energie und die Netzkosten bestimmt, nicht durch die Wahl zwischen Gemeindebetrieb und AG.
    Die Empfehlung, stattdessen eine interkommunale Zusammenarbeit zu prüfen, ist kein Gegenvorschlag — es ist eine Vertröstung auf etwas Unkonkretes, das weder ausgearbeitet noch verhandelt, geschweige denn beschlussreif ist. Ein Nein am 14. Juni bringt keine interkommunale Lösung näher. Es bringt Stillstand.

    Fazit
    Ein pensionierter Tierarzt, der aus dem Bauchgefühl heraus abstimmt und dabei eine Parteilinie vertritt, die von vornherein auf Ablehnung programmiert ist, hat das Recht auf seine Meinung. Aber er hat nicht das Recht, das Befürworterkomitee unter Verweis auf Intransparenz zu diskreditieren — ausgerechnet auf einer Plattform, auf der üble Beschimpfungen erst dann entfernt wurden, als sie nicht mehr zu übersehen waren.

    Die Stimmberechtigten von Fällanden verdienen eine ehrliche Debatte. Wer dazu beitragen will, sollte sich an Inhalte halten — und nicht an taktische Nebelwände.

  4. Rein zufällig, ohne jeden Bezug auf Texte, Orte, Personen oder Komitees, fällt mir gerade Wilhelm Busch ein:
    «Oft ist das Denken schwer, indes,
    das Schreiben geht auch ohne es.»

  5. Frage an Radio Eriwan – «Könnte R. B. aus F. mit dem Zitat von Wilhelm Busch etwas gemeint haben? – Im Prinzip ja, aber ohne Motivation und bar jeder böser Absicht.»
    Mir fällt spontan der nachstehende Satz ein: – wobei jedigliche Ähnlichkeiten mit lebenden oder bereits verstorbenen Personen oder Komitees rein zufällig und ohne jeden Bezug auf die von ihnen möglicherweise verfassten Texte, gemachten Aussagen oder publizierten Kommentare in Inside Fällanden oder sonstigen Medien wären und bar jeder Bösartigkeit zu lesen ist:

    «Toleranz ist gut, aber nicht gegenüber den Intoleranten.» (Wilhelm Busch, 1832 – 1908)

  6. Auch wir lieben Wilhelm Busch und denken an seinen Reim: «Und ist der Ruf mal ruiniert, so lebt’s sich gänzlich ungeniert.» Deshalb immer weiter so, wenn es einem gefällt. Einsicht und Vernunft wäre aber der bessere Weg.

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