von Henri Gammenthaler, Fällanden
In einer von Geld regierten Sportindustrie ist Dopingmissbrauch immer wieder ein Thema. Seit ich mich mit Radsport befasse, wird gedopt. Das war vor 50 Jahren so und es ist heute noch so. Weil die Sponsoren immer grössere Summen in den Sport stecken und entsprechende Aufmerksamkeit verlangen. Eine Tour de France braucht grosse Duelle, denn die Fans lechzen nach Spektakel, die Sponsoren nach Publicity. Glauben Sie, heute würde sich jemand für eine T. d. F. interessieren, bei der mit einem Durchschnitt von 35 Stundenkilometer gefahren würde?

Für die Organisatoren von Rundfahrten wir es immer schwieriger neue Ideen zu bringen, denn das Publikum will unterhalten werden, also wird der Sport reduziert und die Menge in Festlaune gebracht… Was diese Veränderungen bringen werden? Ja, ich bin überzeugt. Solange soviel Geld im Sport steckt, wird getäuscht und manipuliert. Das ist übrigens nicht nur im Sport so, der ja auch nur ein Abbild unserer leistungsorientierten Gesellschaft ist: Betrug gibt es überall da, wo es um Geld, Macht und Erfolg geht.
Eines muss man ganz klar sehen: Ohne Talent, eiserne Disziplin und unbeugsamen Willen wird kein Radrennfahrer Erfolg haben… Kein verbotenes und Leistungsförderndes Mittel kann die Begeisterung und Leidenschaft für dieses knallharte Rad-Profi-Business ersetzen!

Danke für die spannenden Gedanken.
Im Spitzensport wird besonders sichtbar, was unsere Gesellschaft oft verlangt: Leistung, Tempo, Aufmerksamkeit und Resultate. Problematisch wird Leistung dort, wo sie nur noch kurzfristig gemessen wird. Diese Spannung bleibt nicht im Stadion. Sie reicht in Familien, Schulen und Institutionen hinein.
Mich beschäftigt dabei vor allem eine Frage: Was geschieht mit Menschen, deren Talent Zeit braucht?
Grosse Begabungen wachsen selten dort, wo nur Druck herrscht. Leonardo da Vinci und Albert Einstein stehen nicht für Bequemlichkeit, sondern für eine Form von Leistung, die sich nicht sofort verwerten lässt. Da Vinci arbeitete lange an seinen Werken, an einzelnen sogar über mehrere Jahre. Einstein fand in Bern, im Patentamt, neben seiner Arbeit einen stillen Raum für sein Denken.
Beide erinnern daran, dass Tiefe Zeit braucht: Eigenständigkeit, Vertrauen und eine innere Freiheit, die sich nicht erzwingen lässt.
Für Schulen bedeutet das nicht weniger Anspruch, sondern einen breiteren Blick auf Entwicklung: Leistung zeigt sich nicht immer zuerst als Tempo, sondern oft als Ausdauer, Neugier, Eigenständigkeit und die Bereitschaft, dranzubleiben.
Eine gute Schule erkennt deshalb nicht nur schnelle Resultate, sondern auch Entwicklung, die Zeit, Beziehung und Vertrauen braucht. Denn oft leisten gerade jene Menschen später Entscheidendes in Kunst, Wissenschaft oder im Zusammenleben, die am Anfang Zeit, Schutz und Vertrauen brauchen.