Naturschutz im Wald

von Thomas Pletscher, Benglen

Beim heutigen Spaziergang im Wald sind mir die kahlgeschnittenen Wegränder entlang der Waldwege negativ aufgefallen, so am Gruebenweg oder beim Heidelbeeriholzweg.

Heidelbeeriholzweg / Bergstrasse

Ich frage mich ob das wirklich nötig ist und ob nicht vielmehr hier unnötiger Aufwand mit teuren Maschinen betrieben wird.

Heidelbeeriholzweg / Bergstrasse

Der Nutzen ist nicht ersichtlich, die Schäden schon:
– Wichtiger Lebensraum für Kleinlebewesen wird durch die heutige Praxis zerstört
– Mit den überdimensionierten Bodenfräsen werden die Baumwurzeln frevlerisch beschädigt
– Tiere, welche im Schatten der Stauden ruhen werden verletzt, namentlich Igel

Gruebenweg

Wären Zurückhaltung und Abkehr von solchen Eingriffen in die Natur nicht dringend geboten?

11 Antworten auf „Naturschutz im Wald“

  1. Urs Kunz, Vorstandsmitglied der Unterhaltsgenossenschaft Fällanden, Revierförster Fällanden, Maur, Mönchaltorf, Schwerzenbach sagt:

    Hallo Herr Pletscher

    Waldstrassen sind für die Waldbewirtschaftung da. Sie wurden gebaut um mit grossen Fahrzeugen, unter anderem 40 t schweren grossen LKWs Holz abführen zu können. Dazu müssen sie unterhalten werden, da sie sonst einwachsen und immer schmäler werden. Die Wegränder werden im laufenden Unterhalt periodisch gemulcht, also nicht gefrässt. Dabei wird der Boden möglichst nicht bearbeitet.

    Weitere Arbeiten, die zum Wegunterhalt gehören, sind das Zurückschneiden der hereinwachsenden Bäume und Sträucher, das Abranden, der sich in den Weg ausbreitenden Bankete und auch periodisches Neubekiesen der Wegoberfläche. Bei diesen Arbeiten wird auch jeweils geprüft, ob die Wegentwässerung funktioniert. Wenn notwendig werden auch dort Anpassungen gemacht.

    1. Ob es sinnvoll ist, Waldstrassen auf 40t-Lastwagen auszurichten, lasse ich an dieser Stelle offen. Der Abtransport von Holz mit schweren Fahrzeugen findet ja nicht gerade täglich statt (zum Glück). In meiner — allerdings schon länger zurückliegenden — Militärdienstzeit sind wir mit schwerer Artillerie durchaus auch auf Waldstrassen unterwegs gewesen, ohne dass diese Wege speziell freigehalten wurden…

      Entscheidend ist hier, dass eben nicht gemulcht sondern gefräst wurde. Dies zeigen die Verletzungen an den Bäumen und den Wurzeln, die aus den Bildern klar erkenntlich sind. Die Frässpuren sind auch im Boden klar ersichtlich. Beim Gruebenweg geht es auch nicht um Sträucher, welche den Weg verengen könnten sondern um Gras und Stauden, welche wichtige Nahrung für Insekten und Schmetterlinge sind.

      Noch schlimmer ist die Situation beim Jörentobelweg. Hier wurde der Boden so abgefräst, dass nach dem Gewitter viele Steine und Erde auf die Strasse gespühlt wurden, die sonst durch die Vegetation zurückgehalten worden wären. Die Frässpuren sind an Wurzeln und Baumstünken klar sichtbar. Die Entfernung aller Brennesseln beraubt Schmetterlingsraupen wie etwa von Tagpfauenaugen ihrer Nahrung. Der Kahlschlag am Wegrand entzieht auch Amphibien und Weinbergschnecken ihres Lebensraums.
      Auf mich machen diese Arbeiten einen unprofessionellen Eindruck.
      Biodiversität wie sie auch von der Gemeinde Fällanden postuliert wird, zeigt sich nicht in einzelnen Projekten mit Tafeln sondern flächendeckend und gerade im Wald und an seinen Rändern.

  2. Wo bleiben eigentlich all die jetzt so Empörten (gegenwärtig sind es 35 an der Zahl), wenn es darum geht, konkret etwas für den Naturschutz zu tun – also selber Hand anzulegen, statt einfach zu klicken?

    So blieb etwa die Zahl der Teilnehmer, die vor ein paar Monaten an einer vom Naturschutzverein Fällanden organisierten Aktion im Fällander Tobel Kirschlorbeer entfernten, sehr überschaubar.

    1. Wenn die Ressourcen der Gemeinde weniger für das dauernde Schneiden an Weg- und Strassenrändern eingesetzt würden, stünden sie für gezielte und fachkundige Beseitigung von Neophyten im Wald zu Verfügung…

  3. Sowohl die Aufmerksamkeit und ein allgemeines Bewusstsein für einen sorgsamen, respektvollen Umgang im Interesse unserer Natur, dem Erhalt von Lebensräumen für unsere Tier- und Pflanzenwelt sowie eine fachgerechte und umsichtige Bewirtschaftung von Wald- und Kulturlandschaften sind höchst verdankenswert.

    Wird z. B. der Bestand von Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) im Siedlungsgebiet direkt nach der ersten Blüte, im späten Frühjahr, noch vor Ausbildung der Beerenstände unter Formschnitt gehalten, kann die unkontrollierte, unerwünschte und invasive Ausbreitung in die freie Natur unterbunden werden. Die Jagd nach diesem im Wald artfremden Neophyten sollte sich dadurch mit der Zeit weitgehend reduzieren können.

    Um eine Verwechslung mit dem heimischen Waldgehölz, der Stechpalme (Ilex aquifolium) durch allzu beflissene «Neophytenjäger» zu vermeiden – was leider schon in grösserem Ausmass vorgekommen ist – sollte die «Jagd» ausschliesslich unter fachkundiger Aufsicht vom Revierförster erfolgen. Denn die Stechpalme als heimisches, nicht invasiv wachsendes, immergrünes Waldgehölz, leistet einen enormen Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht und steht daher in einigen Kanton sogar unter Schutz. Es bietet unseren heimischen Vögeln Lebensraum und geschützte Nistplätze und liefert mit den roten Beeren Winternahrung. Im Frühjahr locken die weissen Blüten sowohl Honig- als auch Wildbienen und Hummeln an, da sie reich an Nektar und Pollen sind. Im Interesse vom Naturschutz kann weniger manchmal tatsächlich mehr sein.

  4. Eine Unterkategorie der Volkswirtschaft ist die Waldwirtschaft, Herr Pletscher. Ich empfehle Ihnen, sich einmal damit, bzw., mit der Forstwissenschaft ein bisschen näher zu befassen. Ich jedenfalls finde es hoch interessantes Thema.

    Dass Igel an solchen Wegrändern leben, ist mir völlig neu («Tiere, welche im Schatten der Stauden ruhen werden verletzt, namentlich Igel»).

    1. Gerade im Sommer halten sich Igel durchaus unter Stauden auf. Wir haben leider auch schon in Benglen einen toten Igel gefunden, der beim Schneiden unterhalb der Stauden und Büsche buchstäblich zerfetzt wurde. Zudem geht es auch um andere Tiere wie etwa Feuersalamander oder Weinbergschnecken, die in solcher Umgebung leben und geschützt sind.

      Ich habe den Eindruck, sie setzen Volkswirtschaft und Wirtschaft gleich. Dass die Forstwirtschaft auch zur Wirtschaft gehört und durchaus eine wichtige Bedeutung hat, ist unbestritten (auch wenn der zahlenmässige Beitrag zur volkswirtschaftlichen Bilanz tief liegt). In meinem Beitrag wird dies nicht in Frage gestellt. Die Bedeutung der Forstwirtschaft heisst aber nicht, dass ökologische Aspekte und namentlich die Biodiversität einfach beiseite geschoben oder nachrangig behandelt werden darf. Aus diesem Grund stellt sich etwa die International Chamber of Commerce ICC, das Sprachrohr der globalen Wirtschaft, ganz klar hinter die Verpflichtungen aus der internationalen Biodiversitätskonvention. Sie stellt fest, dass der sorgsame Umgang mit der Biodiversität im Interesse der Wirtschaft liegt. Auch das Grundmotiv der Schweizer Waldgesetzgebung gründet seit über 100 Jahren auf dem Gedanken der Nachhaltigkeit.
      Es geht um den Respekt vor der Natur im Sinne der Nachhaltigkeit. Dieser Respekt beginnt im Kleinen.

  5. Herr Kunz hat klar darauf hingewiesen, Herr Pletscher, dass Waldstrassen für die Bewirtschaftung des Waldes da sind – und nicht, dass sich ein Spaziergänger dann darüber echauffiert, wenn solche Wege freigehalten werden.

    Als Laie und leidenschaftlicher Waldgänger beobachte ich die Bewirtschaftung des hiesigen Waldes schon seit gut zehn Jahren genau: in meiner Wahrnehmung wird dabei eine hervorragende Arbeit geleistet.

    Was Sie, Herr Pletscher, in Ihrem «Aufregerartikel» offensichtlich nicht berücksichtigt haben, ist das Verhältnis zwischen der Fläche, die an solchen Waldstrassen weggeschnitten wird (egal, ob sie nun gemulcht oder gefräst wird) zur Fläche des Waldes.

    Auch weiss ich aus eigener Beobachtung, dass die Arbeiter der Gemeinde ebenfalls gute Arbeit leisten – aus diesem Grund halte ich diese Spitze von Ihnen für daneben.

    Also: Sofakrieger raus in den Wald zur Freiwilligenarbeit. Und dann wieder daheim: ein bisschen an seiner Rechtschreibung arbeiten. Und sich vielleicht auch etwas klüger darüber machen, wieviele Arbeitsplätze die Wertschöpfungskette Wald generiert!

    ***

    «Um eine Verwechslung mit dem heimischen Waldgehölz, der Stechpalme (Ilex aquifolium) durch allzu beflissene ‚Neophytenjäger‘ zu vermeiden – was leider schon in grösserem Ausmass vorgekommen ist – sollte die ‚Jagd‘ ausschliesslich unter fachkundiger Aufsicht vom Revierförster erfolgen.»

    Sie stimmen mir sicher zu, Frau Litz, dass man doof sein muss, wenn man den Kirschlorbeer mit der Stechpalme verwechselt. Seien Sie sich aber versichert, dass wir zuvor von einem Förster instruiert wurden.

    1. Die fraglichen Gebiete liegen in den Waldschutzzonen gemäss Greifenseeschutzverordnung. Entsprechend hat hier die Nachhaltigkeit den Vorrang vor der Bewirtschaftung, namentlich an den Rändern.
      Um ein Freihalten der Wege vor Zuwachsen geht es im Übrigen keineswegs, dies ist aus den Bildern klar ersichtlich.

  6. Die rege Diskussion um die Pflege der Waldstrasse in Benglen zeigt: Uns allen liegt der Wald mit seinen vielseitigen Funktionen am Herzen. Dass wirtschaftliches Handeln und ökologische Vielfalt am Waldstrassenrand vereinbar sind, zeigt u. a. ein Beitrag der Eidgenössischen Forschungsanstalt (WSL) mit dem Titel „Waldstrassenränder – mehr Biodiversität zum Spartarif».

    Ränder von Waldstrassen sind wertvolle Lebensräume für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Eine bewusste, zurückhaltende Pflege schont das Budget und fördert die ökologische Vielfalt.

    Die WSL empfiehlt vier einfache, aber wirksame Massnahmen:

    – Später Schnitt: Am besten erst ab Oktober mähen oder mulchen und gezielt mindestens 10 Prozent „Altgras“ als Rückzugsort stehen lassen.

    – Mähen statt Mulchen: Falls ein Sommerschnitt unumgänglich ist, schont das Mähen die Tierwelt weitaus besser.

    – Strukturen belassen: Asthaufen oder alte Baumstrünke bewusst als wertvolle Mikrohabitate belassen.

    – Höhere Schnitteinstellung: Eine Schnitthöhe von mindestens 10 cm schützt die am Boden lebende Fauna effektiv vor Verletzungen.

    Die WSL schreibt abschliessend:
    «Die Devise lautet: Nur so viel wie wirklich nötig – und das ist weniger als man denkt. An den Rändern von Waldstrassen lässt sich somit beim Unterhalt sparen und gleichzeitig die Biodiversität fördern.»

    Quelle: Waldwissen.net
    https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/naturschutz/artenschutz/mehr-biodiversitaet-am-waldstrassenrand

  7. Siehe da, der Naturschutzverein meldet sich wenigstens reaktiv auch noch zu Wort, mit dem Hinweis auf Biodiversität zum Spartarif. Sparen. Mal was Neues in Fällanden. Bisher galt die Devise: Ohne plakatives Preisschild wird in Fällanden kein Finger gekrümmt. Echtes Engagement aus der Bevölkerung wird stoisch missachtet und rein kosmetisch kurzzeitig wenigstens ins Behörden-Programm aufgenommen, wie das Beispiel von Vreni und Emil Haldi und Edith Bornatico zeigt. An Aktualiät nichts eingebüsst.

    Nicht nur das Schreiben der Engagierten an die damals im 2019 neu gegründete «Naturschutz»-Kommission, mit einer nun nicht mehr im Gemeinderat vertetenen (wofür wissen die Götter:Innen) Gemeinde:rätin, als Platzhalterin einer politischen Partei und Präsdent:in dieser lukrativen Posten-Kommission, blieb unbeantwortet. Auch präsidial mussten diese echten und sachkundigen Vorreiter nachhaltigen und biodiversen Handelns mehrere Anläufe nehmen, bis sie dann mit dem immerhin angebotenen «Du» im engeren Kreise auf dem Schoss der Eingeweiht:innen Platz nehmen durften…

    https://inside-faellanden.ch/2020/05/28/eigeninitiative-gegen-behoerdenignoranz-in-faellanden/

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