von Mario Solis, Mitglied der Schulpflege
Neue Autorität, Grenzen und Vertrauen
Die erste Schulpflegesitzung der neuen Legislatur 2026 bis 2030 befasste sich mit wichtigen Themen rund um Organisation, Ressourcen, Datenschutz und Einzelentscheide.

Mit dem Beginn einer neuen Legislatur denke ich auch darüber nach, welche Haltung ich in dieses Amt einbringen möchte. Viele Menschen wissen weniger genau, welche Aufgabe eine Schulpflege hat. Für mich liegt ihre Verantwortung darin, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, eine konsistente Strategie der Schule mitzutragen, Anliegen aus der Bevölkerung ernst zu nehmen und Vertrauen in die öffentliche Schule zu stärken.
Während meiner Vorbereitung auf den Grundkenntnistest für die Einbürgerung blieb mir besonders in Erinnerung, wie stark die Schweiz ihre Institutionen auf Vertrauen, nachvollziehbare Verfahren und Schutz vor Willkür aufbaut. Der Schutz vor Willkür ist in Art. 9 der Bundesverfassung verankert. Gerade gewählte Behörden tragen deshalb die Verantwortung, Anliegen aus der Bevölkerung sorgfältig aufzunehmen und im Rahmen des fachlich, rechtlich und pädagogisch Vertretbaren zu prüfen.
In der Schule zeigt sich das besonders konkret. Als Mitglieder der Schulpflege gehen wir mit sensiblen Informationen über Kinder und Familien um. Für ihren Schutz ist entscheidend, dass solche Informationen nur jenen Personen zugänglich sind, die sie für ihre Aufgabe wirklich benötigen. Genauso wichtig ist, dass bei Einzelentscheiden klar bleibt, wer zuständig ist, wer beraten darf und auf welcher Grundlage entschieden wird.
Das gilt besonders dort, wo externe Fachpersonen, therapeutische Einschätzungen oder persönliche Informationen von Familien eine Rolle spielen. Eine Entbindung von der Schweigepflicht verlangt deshalb besondere Sorgfalt. Sie dient einem bestimmten Zweck, in einem bestimmten Rahmen und gegenüber bestimmten Personen. Genau diese Sorgfalt schützt Kinder, Familien und auch die Institution selbst.
Verantwortung beginnt bei einem sorgfältigen Umgang mit den Informationen, auf denen Entscheidungen beruhen.
Dazu gehört ein zeitgemässes Verständnis von Autorität.
Autorität durch Druck stützt sich auf Distanz, Angst und die Androhung von Konsequenzen. Sie erwartet Gehorsam und empfindet Nachfragen schnell als Angriff auf die eigene Autorität. Sie kann verletzen, auch ohne körperliche Gewalt.
Neue Autorität verfolgt einen anderen Ansatz. Sie baut auf Präsenz, Beziehung, Transparenz und Beharrlichkeit. Sie erklärt den Sinn von Entscheidungen, bleibt ansprechbar und übernimmt Verantwortung für das eigene Handeln. Grenzen bleiben wichtig, gerade weil sie Orientierung geben. Entscheidend ist, dass sie nachvollziehbar, verhältnismässig und frei von Willkür sind.
Auch Regeln erfüllen diesen Zweck. Ob in der Schule, in einer Garderobe, in einem Spital oder in einem anderen sensiblen Raum: Gute Regeln schützen ein konkretes Schutzgut. Sie schränken nicht willkürlich ein, sondern bewahren Würde, Sicherheit und Vertrauen.
In der Schule bedeutet das: Regeln sollen Kinder schützen, Mitarbeitende unterstützen und gemeinsames Handeln verlässlich machen. Sie brauchen Klarheit, Begründung und Verhältnismässigkeit.
Vor wenigen Tagen durfte ich in meiner Funktion als Mitglied der Schulpflege die Abschlusspräsentation der Projektarbeiten der 3. Sek in Benglen besuchen. Die Schule war voller Leben. Eltern, Lehrpersonen und Jugendliche kamen miteinander ins Gespräch. Dort wurde sichtbar, mit wie viel Engagement junge Menschen ihre Interessen vertiefen, Verantwortung übernehmen und ihren nächsten Lebensabschnitt vorbereiten.
Solche Momente erinnern daran, worum es in der Schule letztlich geht: junge Menschen auf ihrem Weg zu begleiten und ihnen Raum zu geben, ihre Fähigkeiten zu entfalten. Gerade deshalb müssen wir sorgfältig damit umgehen, wie über Kinder und Eltern gesprochen, was über sie dokumentiert und wie über sie entschieden wird. Datenschutz ist dabei keine administrative Formalität. Er schützt die Würde und die Persönlichkeitsrechte jedes einzelnen Kindes.
Als Mitglied der Schulpflege möchte ich dazu beitragen, dass Entscheidungen fachlich fundiert, rechtlich sauber und menschlich verantwortungsvoll getroffen werden. Transparenz bedeutet für mich, Entscheidungsprozesse nachvollziehbar zu gestalten, Zuständigkeiten klar zu benennen, Vertrauliches zu schützen und Verantwortung sichtbar zu übernehmen.
Vertrauen entsteht dort, wo Verantwortung sichtbar übernommen, Zuständigkeiten respektiert und Menschen mit derselben Sorgfalt behandelt werden, die wir auch für uns selbst erwarten würden.
