von Mario Solis, Pfaffhausen
Am Sonntagmorgen, 23. August, war ich mit meinen Zwillingstöchtern im Gottesdienst zum Schulanfang. Beide bereiten sich dieses Jahr auf ihre Erstkommunion vor. Entsprechend viele Fragen begleiten uns gerade. Und aus einer Antwort entsteht schnell die nächste Frage.

Zu Beginn wurden die Schultaschen der Kinder gesegnet. Pfarrer Bennjamin Schmid kam mit ihnen ins Gespräch und fragte ganz konkret nach ihrem Schulalltag: Worauf freut ihr euch in der Schule? Was macht euch Spass? Und was mögt ihr weniger oder empfindet ihr als schwierig?
Die Antworten kamen direkt aus den Reihen.
Mathe. Schwimmen. Freunde.
Deutsch. Französisch. Der Schulweg.
Eine meiner Töchter sagte, dass sie Schwimmen mag. Die andere nannte ihre Freunde. Beim Schulweg meldete sich wiederum eine von ihnen. Später erklärte sie mir zu Hause, dass ihr Jugendliche auf schnellen E-Motorrädern Angst machen, denen sie auf dem Schulweg begegnet.
Hinter einer kurzen Antwort eines Kindes kann eine ganze Erfahrung stehen. Es lohnt sich hinzuhören.
Pfarrer Bennjamin sprach dann mit den Kindern über Beurteilungen und Noten. Wie fühlt es sich an, bewertet zu werden? Was passiert, wenn eine Note schlechter ausfällt als erhofft?
Ein Junge sagte etwas, das mir geblieben ist: Er bekomme gerne eine Rückmeldung, auch wenn die Note schlecht sei. Dann wisse er, was er verbessern könne.
Eine Beurteilung kann Orientierung geben. Sie macht sichtbar, was bereits gelingt und wo Entwicklung möglich ist.
Am Ende erhielt jedes Kind einen kleinen Stressball. Darauf steht:
Gott ist da.
Nach dem Gottesdienst kamen bei meinen Töchtern weitere Fragen. Was ist eigentlich die Hostie? Was geschieht bei der Kommunion? Weshalb nennen wir Jesus das Lamm Gottes?
Also ging das Gespräch im Auto weiter.
Wir sprachen über Schuld und Vergebung, über Opfer und Versöhnung in der biblischen Tradition, über das Paschalamm und die Erinnerung an die Befreiung des jüdischen Volkes aus Ägypten. Und darüber, weshalb Jesus im christlichen Glauben als das Lamm Gottes verstanden wird, das die Sünde der Welt hinwegnimmt und uns mit Gott versöhnt.
Das sind grosse Gedanken für Kinder, die sich auf ihre Erstkommunion vorbereiten. Eigentlich auch für Erwachsene.
Im Gespräch wurde daraus etwas sehr Alltägliches.
Wir können auf unsere eigenen Entscheidungen schauen, die Grenzen anderer respektieren, erkennen, wenn wir jemanden verletzt haben, um Vergebung bitten und daraus lernen.
Freiheit und Verantwortung gehören zusammen. Verantwortung bedeutet für mich auch, hinzuschauen, welche Wirkung das eigene Handeln hat und was sich daraus lernen lässt.
Da musste ich wieder an den Jungen im Gottesdienst denken.
Für ihn war auch eine schlechte Note hilfreich, wenn die Rückmeldung ihm zeigte, was er verbessern konnte.
Darin liegt für mich eine Grundlage von Vertrauen: offen hinzuschauen, Verantwortung zu übernehmen und aus Erfahrungen zu lernen.
Auf der Heimfahrt blieb mir vor allem dieser Gedanke. Glaube und Bildung können uns auf unterschiedliche Weise dabei begleiten, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und Entwicklung zuzulassen.
Und wenn das schwierig wird, tragen meine Töchter jetzt eine kleine Erinnerung mit sich herum:
Gott ist da.
